Fotograf will an der East Side Gallery Bilder aus Israel ausstellen

Eine Mauer auf der Mauer

Karin Schmidl
3 Min

FRIEDRICHSHAIN. Ein künstlerisches und zugleich hochpolitisches Vorhaben erhitzt die Gemüter im Bezirk. An der East Side Gallery, dem längsten erhaltenen Mauerstück in der Stadt, will der Berliner Fotograf Kai Wiedenhöfer 30 seiner preisgekrönten Fotos aus dem Bildband "The Wall" zeigen. Auf 2,80 Meter Mauerhöhe vergrößert, sollen die Fotos drei Wochen lang vor der auf das kommende Frühjahr verschobenen Sanierung der East Side Gallery dort hängen.Bei der kontrovers geführten Diskussion geht es weniger darum, ob diese Zwischennutzung an dem Denkmal überhaupt möglich ist. Es geht um die Fotomotive: Wiedenhöfer will nämlich keine Bilder vom Fall der deutsch-deutschen Grenze zeigen. An die East Side Gallery sollen Aufnahmen von dem umstrittenen Grenzwall kommen, den Israel seit 2002 als Schutz gegen palästinensische Terrorangriffe errichtet. Für diese künstlerischen Dokumente erhielt der Fotograf vor drei Jahren den World Press Award. Wiedenhöfer arbeitet derzeit in Syrien und war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar."Ich halte das Fotoprojekt für eine gute Idee, weil es zum Nachdenken einlädt", sagte Adrienne Göhler der Berliner Zeitung. Die einstige Berliner Kultursenatorin, die jetzt als Kuratorin arbeitet, war vom Fotografen gebeten worden, das Projekt zu begleiten. Auch mit Veranstaltungen, bei denen es um Mauern im Allgemeinen geht und darum, ob ein solcher Schutzwall tatsächlich schützt.Im Bezirk fürchten viele, dass die Fotos einer Grenzanlage, die vom Internationalen Gerichtshof in Den Haag als völkerrechtswidrig kritisiert wird, zu einem Wallfahrtsort für Antisemiten werden könnten. Tatsächlich rütteln Wiedenhöfers Bilder auf. Der Fotograf, der lange Zeit im Gazastreifen lebte, hat sehr kritische Eindrücke festgehalten: Menschen, deren Häuser wegen des Walls abgerissen wurden. Palästinensische Dörfer, die jetzt von der Außenwelt abgeschnitten sind.Intensiv wird im Bezirk auch darüber diskutiert, ob die East Side Gallery der richtige Ort ist für das Projekt. "Im Kulturausschuss war parteiübergreifend die Sorge groß, dass eine Gleichsetzung von DDR-Mauer und Israel-Mauer passiert", beschreibt Daniel Wesener von den Grünen die Stimmungslage. Auch im Bezirksamt ist man noch unschlüssig über das Projekt. Eine Gleichsetzung, so Adrienne Göhler, werde es nicht geben. Aber: "Es stellt sich die Frage, ob man der Realität ins Gesicht sehen will. Denn die israelische Mauer durchschneidet zu 80 Prozent palästinensisches Gebiet, nur 20 Prozent trennen Israelis von Palästinensern." Göhler sagt auch, dass eine jüdische Stiftung eine ähnliche Ausstellung in den USA organisiere.Der Chef der Künstlerinitiative der East Side Gallery, der Maler Kani Alavi, ist für das Projekt: "Ich wünsche mir, dass es nach der Sanierung dort ein Zentrum gibt, wo Mauern dokumentiert und diskutiert werden können."------------------------------Foto: Mauerbilder aus Israel wie dieses, das der Steidl Verlag in einem Bildband zeigt, will der Fotograf Kai Wiedenhöfer an der East Side Gallery ausstellen.

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