BERLIN, 16. November. Anlagebetrüger haben den Wertverfall des Euro gegenüber dem Dollar als Werbeargument entdeckt. Mit Slogans wie "Bringen Sie ihr Geld in Sicherheit!", "Euro kommt - Kapital sichern" oder "Dollar hilf!" versuchen sie, ihre riskanten Investment-Ideen zu verkaufen. "Die Angst vor dem Euro ist da", sagte am Donnerstag Volker Pietsch von der Verbraucherzentrale Berlin. "Immer mehr unseriöse Firmen betreiben mit der Angst vor dem Euro oder der unsicheren Rente ihre fragwürdigen Geschäfte." "Sachwertorientierte Anlagen"Es sei ungleich gefährlicher, sein Geld auf dem Grauen Kapitalmarkt anzulegen, als einfach im Euro zu bleiben, meinte Hans-Georg Gerstenlauer von der deutschen Vertretung der Europäischen Kommission. Viele der unseriösen Anbieter haben sich die Schweiz als Standort ausgesucht. Schließlich steht die Schweiz für Sicherheit und Solidität. Geworben werde der verunsicherte Sparer vor allem mit so genannten "sachwertorientierten Anlagen". Oft handele es sich dabei um die gefährliche Anlageform der "atypischen stillen Beteiligung", einem Steuersparmodell. Der atypisch stille Gesellschafter ist am Vermögen sowie am Gewinn und am Verlust des Unternehmens beteiligt, kann aber über die Unternehmenspolitik nicht mitentscheiden. Die Initiatoren unterliegen keiner staatlichen Aufsicht, für Anleger gibt es keine Einlagensicherung. Das heißt, es droht Totalverlust des eingesetzten Geldes. Damit nicht genug, muss der Investor im Falle der Insolvenz häufig auch noch Geld nachschießen. "In den letzten zehn Jahren haben hunderttausende Anleger Milliarden mit diesen Beteiligungen verloren", so Pietsch. Sicherheitsorientierte Anleger sollten einen weiten Bogen um diese Geschäfte machen. Über die Risiken würde häufig nur ungenügend aufgeklärt. Unseriöse Geschäftsanbahnungs-Methoden beobachtet er vor allem bei der Göttinger Gruppe, die nun den Vertrieb dieser Beteiligungen einstellen will. Aber auch die "Euro-Gruppe" - Ibeka, Goj - oder die Cura, Rostock, sind im Visier der Verbraucherschützer. Gefährlich ist laut Pietsch auch der Kauf von "vorbörslichen Aktien", die nicht an der Börse gehandelt werden. Außer extremen Renditeerwartungen haben diese Firmen oft nichts zu bieten. Auch vor dubiosen Aktienangeboten im Internet wird gewarnt. Der Anleger sollte immer bei großen Banken die Wertpapier-Kennnummern überprüfen lassen, bevor er mit solchen Papieren handelt.Verbreitet ist auch der Betrug mit Fremdwährungsangeboten wie Schweizer Franken oder US-Dollar, oft in Verbindung mit Sachwertinvestitionen, Gold und Edelsteinen. Hier werde häufig nur vorgegeben, in Franken oder in Edelmetalle zu investieren. Tatsächlich fänden die Transaktionen nicht statt, die gelieferten Edelsteine entpuppten sich als Glas, das Geld verschwinde in den Taschen der Finanzhaie. Dubiose Immobilienangebote aus Florida seien bereits eine altbekannte Masche, so Pietsch. Neuerdings kämen solche Angebote auch aus Ungarn. Er rät, die Verbraucherzentrale zu konsultieren, bevor Verträge unterschrieben werden.Flucht in Häuser, Franken, Diamanten // Stabilität: Der Euro hat seit seiner Einführung gegenüber dem Dollar rund 25 Prozent verloren. Für Sparer wichtig ist aber eher der Innenwert des Euro. Hier zeigt er sich stabiler als der Dollar. Im August lag die Inflationsrate in den USA bei 3,3 Prozent, in der Euro-Zone nur bei 2,3 Prozent.Unsicherheit: Dennoch verunsichert die Euro-Schwäche viele Sparer in der Euro-Zone. Sie versuchen, ihr Kapital vor Verlusten zu schützen, indem sie in Schweizer Franken, Immobilien oder Diamanten investieren. Bei solchen Transaktionen werden sie oft zu Opfern dubioser Anlagefirmen.Rat: Die Verbraucherzentrale Berlin rät, angesichts des Euro-Wertverlustes nicht in Panik zu geraten und nicht unbedacht auf dubiose Angebote einzugehen.Die Verbraucherzentrale Berlin im Internet: www. verbraucherzentrale-berlin. de BLZ/KÜHL Der Euro hat gegenüber dem US-Dollar stark verloren, der Franken jedoch auch.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]