Frank Castorf, der Intendant der Berliner Volksbühne, hat sich in "Theater heute" zu den Stasiverstrickungen seines Baseler Kollegen Michael Schindhelm geäußert. Castorf, der eine dicke Opferakte hat, in der alle seine Inszenierungen in Anklam und Karl-Marx-Stadt und jede Äußerung minutiös und dilettantisch dokumentiert sind, Castorf, der sich zurückgesetzt fühlte, weil ihn die Firma nie um Mitarbeit gebeten, wo sie so viele gebeten hat, schreibt: "Ich selber konnte es in den gemütlichen Knechtschaftsverhältnissen der DDR trotz und wegen der Repression (inklusive Bespitzelung) gut aushalten. Michael Schindhelm weniger.""Michael Schindhelm hat unterschrieben. Auch wenn man ihm abnehmen muß, daß es ihm nichts genutzt und andern nicht geschadet hat, ist er wahrscheinlich kein besserer Mensch als der in seiner Jugend als militanter Straßenkämpfer aufgetretene deutsche Außenminister Fischer, der, wie er einräumen mußte, sehr wohl anderen geschadet hat." Ein moralischer Aufschrei wirke unangebracht: "Heute sind moralische Attitüden nicht weniger verdächtig als in den Zeiten der familiär-totalitären DDR." (df.)
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