Frank Schulze fährt in Berlin um seine EM-Chance

Neue Power in einem alten Boot

Klaus Wolf
3 Min

BERLIN, 12. Juli. Es soll den großen Angriff geben. "Jetzt bin ich endlich konkurrenzfähig. Nun geht der Kampf um den EM-Titel richtig los." Frank Schulze, Deutschlands bester Motorboot-Pilot, kündigt für die EM-Läufe am Sonntag auf der Regattastrecke Berlin-Grünau seine große Aufholjagd an.Ein Rennbild des 34-jährigen Weltmeisters von 1999 schmückt die Plakate für die Internationalen ADAC-Motorboot-Rennen, die einzig noch verbliebene Veranstaltung im Berlin-Brandenburger Raum. Doch eigentlich sind die Plakate längst überholt. Denn nicht mit dem dort verewigten Boot tritt der Roßlauer in der Königsklasse F 500 (Zweitakt-Außenbordmotore bis 500 ccm Hubraum) an. "Mein neues Triebwerk hat Premiere in Grünau", verrät der Sachsen-Anhaltiner. 160 PS wirbeln dann das Wasser auf, mit etwa 180 km/h pflügt er die berüchtigten harten Wellen der Dahme. Motor-Tests erfolgreich"Gemeinsam mit der Firma Arens basteln wir seit November an diesem Motor. Die letzten Tests sahen sehr gut aus", versprüht Schulze Zuversicht. Da aber sein bisheriges Boot nicht mit dem neuen, auch methanolbetriebenen Motor harmonierte, wurde eine bereits zehn Jahre alte russische Jacht reaktiviert. Mit dem neuen Paket glaubt er sich gerüstet, den in der EM-Wertung nach drei von sechs Läufen führenden Italiener Daniele Roda zu attackieren. "Er war bislang vom Material her übermächtig, nun sind wir dran."Überhaupt das Material. Etwa 35 000 Mark kosten das empfindliche Sperrholzboot mitsamt Sicherheitscockpit und der Motor. Hinzu kommen 15 000 Mark per anno für Transport und diverses Kleinmaterial.Viel Geld für einen Hobbysportler, der als Schlosser nicht gerade üppig verdient. Ein wenig mindern Sponsoren und der Gewinn kleinerer Preisgelder den eigenen Einsatz. Trotzdem gilt der Roßlauer schon als ein wenig privilegiert. Im Gegensatz beispielsweise zu den Berliner Motorboot-Piloten kann er trainieren, regelmäßig sogar, auf der heimischen Elbe. "Sie gehört neben Rhein und Mosel zu den drei deutschen Flüssen, auf denen es keine Geschwindigkeitsbegrenzung gibt." Die Wasserschutzpolizei drückt beim Piloten vom MBC Elbe Dessau schon mal ein Auge zu, schließlich ist der als Sachsen-Anhalts Sportler des Jahres von 1999 ein Promi.Es ist eben dieser Temporausch, der Frank Schulze an seinem Sport fesselt. Erst als 22-Jähriger, nach der Armeezeit, begann er damit. Vater Manfred, selbst lange Zeit aktiv, gab den Anstoß. Auch der drei Jahre jüngere Bruder Andreas fährt; in Grünau in der Klasse HR 1 000 (Historische Rennboote) ist er am Start. "Früher in der DDR war Motorsport eigentlich einfacher zu betreiben als heute. Da gab es die vielen Auflagen für den Umweltschutz nicht", erinnert sich Schulze. Aus dieser Zeit resultiert auch noch der Kontakt zum ehemaligen mehrfachen Weltmeister Bernd Beckhusen aus Berlin. "Von ihm hole ich mir noch heute ein paar Ratschläge."Lieber klein und leichtSchulze gilt in der Branche als absolutes Leichtgewicht. Bei 1,61 m Körpergröße bringt er nur 60 kg auf die Waage. "Das ist ein Vorteil", glaubt der schmächtige Pilot. "Lieber leicht und klein, als groß und schwer. Da kann ich das Gewicht an die Stellen packen, wo es am effektivsten ist." Da das Boot 160 kg und mit Fahrer mindestens 260 kg wiegen muss, gilt es also, vor jedem Rennen Bleigewichte von 40 kg Sinn bringend zu verstauen.Ob dies am Wochenende gelingt, davon hängt auch ab, ob er dem WM-Titel von 1999 vielleicht in diesem Jahr den EM-Titel folgen lassen kann. In Berlin soll zunächst einmal der Rückstand verkürzt werden.

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