Frank Steffel, einst CDU-Spitzenmann, zeigt seine Erfolge als Unternehmer

Wieder auf dem Teppich

Jan Thomsen
4 Min

Ob alles nur ein schreckliches Missverständnis ist? Doch was soll man erwarten, wenn es zur "Steffel Trendshow" geht, drei Tage lang mit tausenden Gästen im Neuköllner Hotel Estrel, veranstaltet von eben jenem Frank Steffel, der in Berlin weniger als führender Unternehmer aus der Raumausstatterbranche denn als gescheiterter Politiker von der CDU bekannt ist?"Teppichhändler" haben ihn seine Gegner damals verächtlich genannt. Steffel, heute 41, hatte 2001, als der Bankenskandal die CDU zerriss, keine Chance gegen Klaus Wowereit, dessen fulminanter Aufstieg gerade erst begann. Steffel wurde schlecht beraten, sollte den "Kennedy von der Spree" machen und reihte stattdessen Fehler an Fehler im hoffnungslosen ersten Wahlkampf der Ära nach Diepgen. Er schonte seinen Vorgänger nicht mit Kritik, der Partei drohte die Spaltung, irgendwann im Frühjahr 2003 zog sich Steffel dann aus der Politik zurück, blieb zwar Abgeordneter, widmete sich aber vor allem seinem Unternehmen, einem Grossisten für alles, was auf Böden, an Wänden und Fenstern anzubringen ist.Und so ist auch die "Steffel Trendshow" an diesem Wochenende keine Imagekampagne des Politikers, sondern eine Leistungsschau des Mittelständlers: Er, dessen "Steffel Unternehmensgruppe" nach etlichen Übernahmen ein Dutzend Firmen mit rund 700 Mitarbeitern umfasst, hat Kunden und Lieferanten zu einer Messe eingeladen, um sie einander näher zu bringen. Die Resonanz sei fantastisch, sagt er. Auf 10 000 Quadratmetern zeigen mehr als 100 Aussteller ihre Produkte, natürlich auch die SteffelFirmen mit der hauseigenen Marke Hometrend. Es gibt einen Trendkongress, einen Showabend, einen Jazzbrunch, Gratis-Stadtrundfahrten, Essen und Trinken reichlich und kostenlos, Steffel hat sogar für drei Viertel seiner mehr als 10 000 angemeldeten Gäste das Hotelzimmer bezahlt.Ob sich der Aufwand lohnt? "Das ist erst mal eine riesige Investition", sagt Steffel. Er posiert, kurz vor Beginn seiner Messe, auf der Bühne im Bankettsaal des Estrel Convention Centers, dort, wo sonst Parteitage oder Boxveranstaltungen stattfinden. An diesem Wochenende sollen hier Themen wie "Parkett - nur für Parkettleger?" oder "Teppichboden - Niedergang ohne Ende?" oder "Silver Generation - die jungen Alten als kaufkräftige Konsumenten" erörtert werden, denn es geht ja um eine Trendshow.Steffel trägt einen fein gestreiften schwarzen Zweiteiler, rote Krawatte, seine Schuhe glänzen. Er läuft im Schnellschritt von Stand zu Stand und begeistert sich bei jedem Stück Auslegeware wieder neu. Der Trend in der Raumausstattung, sagt Steffel, sei klar: "Es wird farbiger, es wird textiler, es wird gemütlicher." Wohnen, sagt Steffel, gewinne immer mehr an Stellenwert. Da brauche man nur auf sich selbst zu schauen, denn früher war oft alles Grau in Grau, heute macht man es sich richtig schön zu Hause.Ach, es gibt so viele Trends: Farblich sind Rottöne schwer angesagt, bis zum Brombeer kann das gehen, sehr gut geht auch noch Dunkelbraun. Weil die Marktforschung sagt, dass meist Frauen die Kaufentscheidungen treffen, hat seine Firma jetzt eine erste Kollektion von Teppichmustern "von Frauen für Frauen" vorgelegt. "Ich habe bei mir zu Hause auch nichts zu sagen", sagt Steffel und zeigt auf die Proben im Katalog "Pretty Woman". Dies sei kein "Nutzbelag" mehr, sagt er, dies sei "weicher und softer", habe "Emotion und Gefühl". Ein wenig erinnert das nun doch an den Wahlkampf von damals, aber das ist eben Steffels Stil: Immer ein bisschen arg dynamisch, ein bisschen sehr engagiert, ein bisschen zu dick aufgetragen. Als Firmenchef scheint ihm das gut zu bekommen.Frank Steffel will übrigens gern endlich in den Bundestag. Beim letzten Versuch, 2005, scheiterte er nur knapp. Aber der Trend ist klar.------------------------------"Ich habe bei mir zu Hause auch nichts zu sagen." Frank Steffel------------------------------"Es wird farbiger, es wird textiler, es wird gemütlicher." Frank Steffel------------------------------Foto: Raumausstatter Steffel, 41 Jahre, 700 Mitarbeiter. Motto: "Leistung lohnt".

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