Gibt es einen Berlin-Frankfurter Verlagstransfer? Fast sieht es so aus, wenn man sich die Nachrichten dieser Woche anschaut. Zum einen wird der Eichborn Verlag, der mit Laurenz Bolliger einen Nachfolger für Wolfgang Hörner gefunden hat, seine Berliner Büros schließen. Bolliger, selbst Berliner, wird die Leitung des Belletristik-Programms im Eichborn Verlag in Frankfurt übernehmen, ob dort das Label "Eichborn.Berlin" weitergeführt wird, ist noch nicht geklärt. Zeitgleich geistert die Nachricht durch die Medien, dass der Suhrkamp Verlag plane, nach Berlin zu ziehen, und die Messestadt am Main verlassen werde. Der Verlag, der sich bereits eine Hauptstadtdependance in der Fasanenstraße leistet, dementiert nicht. Es gebe seit 2006 eine Einladung heißt es, und noch sei nichts entschieden. Der zuständige Geschäftsführer jedenfalls ist, hört man, sehr gern in Berlin.Sicher ist, dass der Senat diese Einladung mit finanziellen Anreizen würzt, ein Verlag vom Rufe Suhrkamps wäre eine enorme Bereicherung für den Standort. Auch gilt ein solcher Umzug für eine günstige Möglichkeit, sich personell zu verschlanken, wie es so schön heißt. Bekanntlich ist ja Berlin die Stadt der Autoren, und auch das politische Leben hat hier seinen Mittelpunkt. Andererseits ist ein Umzug teuer und eine Dependance völlig ausreichend, nicht jeder Verlag eines Landes muss auch in dessen Hauptstadt angesiedelt sein. Das Gerücht allein ist jedoch für Nichtberliner beunruhigend, die FAZ zeigte sich vorgestern ernstlich besorgt um das Ansehen der Mainmetropole. Und Suhrkamp ist wahrscheinlich nicht der einzige Verlag, den der Senat freundlich eingeladen hat.Doch was bedeutet das alles für uns Berliner? Suhrkamp brächte der Stadt Renommee, auch das literarische Leben könnte der Verlag noch bereichern. Aber schon jetzt weiß man nicht mehr wohin, wenn die berühmte amerikanische Schriftstellerin, die interessante Debütantin und die legendäre ältere Autorin gleichzeitig an verschiedenen Orten der Stadt lesen. Ein solches Zuviel allerdings schadet der Literatur ja auch nicht.
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