Paris

Aufruhr in Frankreich: Eiffelturm-Mitarbeiterinnen müssen für Besuch von religiöser Gruppe verschwinden

Für den Besuch einer religiösen Gruppe werden Frauen von ihren Arbeitsplätzen abgezogen. Die Belegschaft reagiert mit einem Streik.

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Touristen am Eiffelturm, dem Wahrzeichen der Stadt Paris

Touristen am Eiffelturm, dem Wahrzeichen der Stadt Paris

© Miguel Medina/AFP

Der Eiffelturm ist am Montag wegen eines Streiks seiner Beschäftigten geschlossen geblieben. Auslöser war der Besuch einer hinduistischen Delegation, während dessen Mitarbeiterinnen ihre Arbeitsplätze verlassen und sich aus bestimmten Bereichen zurückziehen mussten.

Die Gewerkschaftsvertreterin Diane Davoine sagte der Nachrichtenagentur Reuters, Männer hätten dafür die Posten der Frauen übernommen. Der Fall sorgt in Frankreich für Diskussionen.

Frauen sollten sich in andere Räume zurückziehen

Die etwa 100-köpfige Delegation gehörte der hinduistischen Organisation Bochasanwasi Akshar Purushottam Swaminarayan Sanstha, kurz BAPS, an. Sie besuchte den Eiffelturm am Samstagmorgen im Zusammenhang mit der Einweihung eines neuen Tempels östlich von Paris.

Nach Angaben der Beschäftigten wurden Frauen aufgefordert, ihre Posten zu verlassen, sich in andere Räume zurückzuziehen und bestimmte Bereiche nicht zu betreten.

Die Betreibergesellschaft SETE bestätigte laut HuffPost Frankreich, dass die Delegation um eine Organisation des Besuchs gebeten hatte, bei der „Interaktionen mit Frauen“ begrenzt werden sollten. Diese Bedingungen hätten nicht akzeptiert werden dürfen und seien weder mit den Werten des Unternehmens noch mit dem Grundsatz der Gleichstellung vereinbar, erklärte die SETE.

Die Belegschaft warf der Leitung vor, Mitarbeiterinnen wegen ihres Geschlechts „beiseitegeschoben, ersetzt und unsichtbar gemacht“ zu haben.

Hindu-Organisation BAPS entschuldigt sich

BAPS erklärte auf X, der Termin sei wegen der Größe der Delegation mit den Verantwortlichen des Eiffelturms abgestimmt und an den Beginn der regulären Öffnungszeit gelegt worden. Nach Kenntnis der Organisation sei niemandem der Zugang zum Turm verweigert worden. Zugleich entschuldigte sich BAPS bei allen, die durch die Situation verletzt oder beeinträchtigt worden seien.

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BAPS ist eine 1907 im indischen Bundesstaat Gujarat gegründete hinduistische Organisation der Swaminarayan-Tradition, die weltweit Tempel und Gemeindezentren betreibt. Hintergrund der Bitte dürfte das besonders strenge Keuschheitsgelübde ihrer ausschließlich männlichen Mönche sein.

Nach der Selbstdarstellung von BAPS dürfen diese Frauen weder berühren noch mit ihnen sprechen oder Umgang mit ihnen pflegen. Die Regel gilt allerdings für die Mönche und nicht für alle Mitglieder der Organisation. Die Gruppe selbst erklärte bislang nicht ausdrücklich, ob dieses Gelübde der Grund für die am Eiffelturm verlangte Begrenzung der Kontakte mit Mitarbeiterinnen war.

Bürgermeister gibt Beschäftigten recht

Der Pariser Bürgermeister Emmanuel Grégoire bezeichnete den Protest der Beschäftigten auf X als berechtigt und kündigte eine Untersuchung an. „Die Gleichstellung von Frauen und Männern endet weder am Fuße unserer historischen Denkmäler noch an irgendeinem anderen Ort dieser Stadt“, schrieb er. Auch mehrere französische Spitzenpolitiker verurteilten den Vorfall.

Nach Gesprächen zwischen Leitung und Personal sollte der Eiffelturm am Dienstag wieder regulär öffnen.

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