Franziska van Almsick trifft beim Schwimmfest der SG Neukölln auf die Nachfolgegeneration

Ein bisschen Training

Katrin Freiburghaus
4 Min

BERLIN, 16. November. Die Kamerateams sind ihretwegen da, nicht wegen der mehr als 700 anderen Schwimmer. Sie kommt eine halbe Stunde vor ihrem ersten Start, rückt ihre Badekappe zurecht, begleitet von andächtigem Staunen, und fällt trotzdem nicht besonders auf. Ein bisschen winken hier, nett lächeln da, ansonsten hat sie keine Not, in Ruhe Kaffee zu holen und sich auf ihren ersten Start vorzubereiten. "Angenehmer als Training, mal was anderes." Das sei ein Schwimmfest für sie, sonst eben nichts. In den ersten Läufen schwimmen Zehn- bis Dreizehnjährige. Franziska van Almsick ist mit 25 die älteste Teilnehmerin.Das volle ProgrammSie darf angehimmelt werden. Denn für die Generation, die sich behutsam immer näher an die Mission Autogrammwunsch herantastet, ist sie keine Konkurrenz mehr, da fällt sie schon unter die Rubrik Legende. Ein Zwölfjähriger traut sich endlich und lässt sein T-Shirt unterschreiben. Eine Trophäe. Beifall erntet er von seinen Freunden. Von diesem Zeitpunkt an hat van Almsick viel zu tun. Unterschriften auf T-Shirts, Pullovern, Schwimmbrettern und zwischendurch ein Interview. Das volle Programm.Während sie Autogramme schreibt, kämpfen die Teilnehmer um Medaillen. Van Almsick ist zwar der Stargast, doch im Mittelpunkt stehen die Wettbewerbe, das Ereignis selbst also. Auf die Frage, ob sie aufgeregt sei, antwortet eine Zehnjährige: "Ja. Aber nicht wegen Franzi, einfach so. Ich komm nämlich aus Stuttgart." Sie wird Zweite in ihrer Gruppe und ist unzufrieden.Van Almsick beschriftet geduldig weiter, was ihr vor die Nase gehalten wird. Dass ihr Trainingspartner Torsten Spanneberg, deutscher Rekordhalter über 100 Meter Freistil und bisher einziger Berliner im Kader für Olympia 2004, ebenfalls schwimmt, ruft kein übermäßiges Interesse hervor. Er duelliert sich während van Almsicks Schreibjob mit Stephan Kunzelmann von der SGS Hannover, der klar vor ihm ins Ziel kommt und Spannebergs deutschen Rekord aus dem Jahr 2001 um 28 Hundertstel unterbietet: 49,07 Sekunden für Kunzelmann - 50,58 für Spanneberg. So ist bei der Siegerehrung weniger die Tatsache, Spanneberg geschlagen zu haben als vielmehr die ausgezeichnete Zeit ausschlaggebend für Kunzelmanns überschwängliche Freude. "Ich wollte mich hier vom C- in den B-Kader schwimmen", sagte er: "Und jetzt bin ich Olympia-Kandidat."Franziska van Almsick muss sich anschließend auf der gleichen Strecke ihrer Vereinskollegin Britta Steffen geschlagen geben. Warum sie nicht über ihre Paradedisziplin, die 200 Meter Freistil starte, wird sie gefragt. "Ich vermeide zurzeit jede Art von Stress", grinst sie vielsagend. Man stelle sich vor, sie würde nicht gewinnen. "Deshalb schwimme ich Strecken, die mir eigentlich nicht so liegen, damit es niemand überbewertet, wenn ich mal nur als Zweite oder Dritte anschlage." Viermal gewann sie bis zum Sonntagnachmittag. Ihr Trainer Norbert Warnatzsch war zufrieden mit diesem Test zwei Wochen vor der Kurzbahn-Meisterschaft in Gelsenkirchen.Heiteres SynchronwippenBevor sie die Halle zur Mittagspause verlässt, verpackt sie sich in Schal und Mütze. Bloß nicht krank werden und das große Ziel gefährden. Das Ziel heißt Gold in Athen. Zu oft hat sie sich schon mit Verletzungen herumplagen müssen, als dass sie nicht vorsichtig geworden wäre. Sie hat gelernt, auf sich aufzupassen, plant sorgfältig das Olympiajahr. "Dieses Wochenende ist gut für den Rhythmus und es ist schön, wenn sich die Kids freuen, einfach weil ich hier bin", sagt sie und signiert schon wieder eine Badekappe. "Außerdem wird es diesen Novembertag im nächsten Jahr vielleicht schon nicht mehr geben." Mit 25 Jahren bereitet sie sich auf ihre letzten Olympischen Spiele vor. "Mein Schwimmerdasein neigt sich dem Ende", sagt sie. Ihre Nachfolger sitzen in signierten Pullovern auf den Sprungbrettern und üben unbeobachtet Synchronwippen. Denn mit Franziska van Almsick verlassen auch die Kamerateams die Halle.OLAF WAGNER Planungsbüro: Franziska van Almsick und Trainer Norbert Warnatzsch.

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