Französische Atomaufsicht empört über Störfall

Plutonium für fünf Bomben zufällig entdeckt

AFP
3 Min

MARSEILLE. Beim Abbau einer südfranzösischen Atomanlage ist kiloweise hochgefährliches Plutonium entdeckt worden, das nirgendwo verzeichnet war. Die Atomaufsicht ASN sprach von einem "Störfall" und verbot weitere Arbeiten an der Anlage in Cadarache. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace nannte den Vorfall "unglaublich". Die gefundene Menge Plutonium reiche aus für den Bau von fünf Atombomben, erklärte sie.Als die seit sechs Jahren stillgelegte Fabrik des staatlichen Atomenergiekommissariats (CEA) noch in Betrieb gewesen sei, sei der Plutoniumbestand auf "etwa acht Kilogramm" geschätzt worden, so die Aufsichtsbehörde. Tatsächlich aber seien bei den seit März laufenden Abbauarbeiten zwischen 22 und 39 Kilo gefunden worden.Dadurch, dass das Atomenergiekommissariat die Menge unterschätzt habe, sei der "Sicherheitsspielraum" zur Vermeidung eines "kritischen Unfalls" erheblich eingeschränkt worden, kritisierte die ASN. "Nicht hinnehmbar" sei auch, dass das Problem seit Juni bekannt gewesen sei, das CEA die Atomaufsicht aber erst vor einer Woche informiert habe, erklärte die ASN-Zweigstelle in Marseille.Das Atomenergiekommissariat bemühte sich um Rechtfertigung: Man habe sich erst "einen umfassenden Überblick" über den Plutoniumbestand verschaffen wollen, bevor man die Aufsichtsstelle informiert habe, sagte ein CEA-Sprecher. Er versicherte, dass "keine Gefahr" durch das Plutoniumpulver bestanden habe. Es sei nicht als Masse, sondern in 450 verschiedenen Behältern aufbewahrt worden.Frankreichs Umweltminister Jean-Louis Borloo bedauerte den Verzug und forderte "absolute Transparenz" bei der Atomsicherheit. Greenpeace erklärte, einen solch "schweren und gefährlichen" Störfall habe es lange nicht mehr gegeben. Plutonium müsse eigentlich in Gramm gemessen werden; es sei "unglaublich", dass die zuständigen Stellen nicht einmal in der Lage seien, die Menge auf zehn Kilogramm genau anzugeben. "Wie ist es möglich, dass man in einem seit sechs Jahren stillgelegten Betrieb noch Material findet, aus dem man fünf Atombomben bauen könnte?", fragte die Organisation. Das Atomenergiekommissariat und der französische Atomkonzern Areva seien offenbar "unfähig", mit hochgefährlichem Plutonium umzugehen.In der 1964 in Betrieb genommenen Anlage bei Marseille waren Brennstäbe für Atomreaktoren hergestellt worden. Dabei wurde bei der Wiederaufarbeitung gewonnenes Plutonium eingesetzt. (AFP)------------------------------Strahlend und giftigPlutonium ist ein hochgiftiges, radioaktives Schwermetall. Es gehört zu den schwersten Elementen, die in der Natur vorkommen. Auf 140 Milliarden Uran-Atome soll ein Plutonium-Atom kommen. Größer ist die Menge, die künstlich in Kernkraftwerken erzeugt wird.Für Kernkraftwerke wie Kernwaffen spielt Plutonium eine wichtige Rolle, da es zu den wenigen spaltbaren Elementen gehört. So war das Spaltmaterial der Atombombe, die 1945 auf Nagasaki abgeworfen wurde, Plutonium. Auch Nordkorea besitzt Plutonium-Bomben.------------------------------Foto: In Cadarache wurden Brennstäbe für Atomkraftwerke hergestellt.

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