Frederik Pleitgen, Sohn des WDR-Intendanten Fritz Pleitgen, leitet das Hauptstadtbüro des US Senders

Das Berliner Gesicht von CNN

Mathias Raabe
3 Min

Die Bemerkung "Na, willst du auch Intendant werden", hat Frederik Pleitgen schon das eine oder andere Mal hören müssen. Schließlich ist sein Vater Fritz Pleitgen einer der bekanntesten Journalisten der Bundesrepublik - ab 1970 war er nacheinander Korrespondent in Moskau, Ost-Berlin, Washington und New York, ehe er 1988 zurückkehrte. Seit 1995 ist Fritz Pleitgen Chef des WDR, der größten öffentlich-rechtlichen Radio- und TV-Anstalt des Landes. Und da der 30-jährige Pleitgen junior ebenfalls als Fernseh-Journalist arbeitet, lassen sich viele diese Frage nicht entgehen. Um sie hier einmal zu beantworten: Nein, er will vorerst nicht.Dabei macht Frederik Pleitgen nicht einmal bei einem deutschen Sender Karriere, sondern beim US-Nachrichtenkanal Cable News Network (CNN). Der gebürtige Kölner ist seit dem 1. Januar der Leiter des Berliner Büros des renommierten Senders, der Zuschauer weltweit rund um die Uhr mit Nachrichten versorgt - er ist damit so etwas wie das Berliner Gesicht von CNN. Denn Pleitgen sitzt nicht etwa nur im Büro, sondern ist wie alle anderen CNN-Leute viel mit der Kamera unterwegs. Beileibe nicht nur in Deutschland, Österreich und der Schweiz übrigens. "Ich habe für CNN von der Idomeneo-Wiederaufführung in der Deutschen Oper berichtet, war aber auch gerade in Äthiopien, als dessen Truppen beim Nachbarn Somalia einmarschierten", sagt er. Pleitgen ist zugleich eben auch internationaler Korrespondent von CNN.Die Entscheidung für den US-Sender und gegen einheimische Konkurrenz wie RTL, n-tv oder ZDF, für die er auch schon gearbeitet hat, ist auch biografisch begründet. "Ich hatte schon lange den Wunsch, englischsprachigen Journalismus zu machen." Dafür hat er beste Voraussetzungen. Er spricht die Sprache fließend. Als der Sohn fünf Jahre alt war, wurde der Vater nach Washington berufen. Bis 1988 lebte die Familie in den USA. "Englisch habe ich eigentlich vor dem Fernseher gelernt." Im Hause Pleitgen lief der Fernseher berufsbedingt besonders häufig. Schon als Kind entwickelte Pleitgen so sein Faible für amerikanischen Fernsehjournalismus. Der unterscheide sich grundlegend von Berichten deutscher Journalisten. "Die Beiträge sind völlig auf Fakten orientiert. Die Einordnung von Vorgängen durch den Reporter, wie wir sie hier kennen, gibt es in den USA nicht." Die Vermutung, dass er sich bewusst von deutschen Sendern fern hält, um sich nicht dem Verdacht der Vetternwirtschaft auszusetzen, weist der ernsthafte junge Mann jedenfalls zurück. Solcherart Beziehungen habe er nie genutzt, "außerdem kennt man den Namen Pleitgen auch bei CNN".Vater Pleitgen sieht sich übrigens genau an, was sein Sohn als Fernseh-Reporter macht. "Er gibt auch Tipps, wie ich mich vor der Kamera geben soll und aus welchem Blickwinkel ich berichten könnte", sagt der Mann, der in den USA und an der Berliner FU Nordamerikastudien und Journalistik studiert hat. Ein Motto hat Pleitgen vom Vater auch für sein journalistisches Berufsleben mitbekommen: "Ehrlich sein und immer den Blick für die kleinen Leute haben." Daran wolle er sich unbedingt halten.Die frühesten Berlin-Erinnerungen hat Pleitgen, der mit seiner Frau und Tochter Hannah in Charlottenburg lebt, an den Ostteil der Stadt. "Wir haben in der Leipziger Straße gewohnt, ich bin täglich über die Grenze in den Kindergarten nach Kreuzberg gebracht worden."------------------------------Foto: Die gleichen Gesichtszüge: Vater Fritz Pleitgen.------------------------------Foto: Frederik Pleitgen versorgt die Welt mit Nachrichten aus Berlin.

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