Frei von Verletzungen knüpft Tischtennisspieler Timo Boll an alte Erfolge an

Frieden mit dem Körper

Sebastian Krass
3 Min

MÜNCHEN, 20. Oktober. Timo Boll wirkt ein bisschen müde. Aber nicht ganz so erschöpft und urlaubsreif wie vor dem Weltcup 2002. Trotzdem gewann er damals das Turnier, zu dem sich jedes Jahr die weltbesten Tischtennisspieler treffen. Kurz danach führte Boll als erster Deutscher die Weltrangliste an. So gesehen ist das bisschen Müdigkeit vor dem Weltcup 2005, der am Freitag in Lüttich beginnt, kein Grund zur Besorgnis, selbst wenn Timo Boll mit Europameister Wladimir Samsonow (Weißrussland) in der Vorrunde einen schweren Gegner zugelost bekam.Seine Mattigkeit wird überstrahlt von den Siegen der letzten Zeit. Egal, ob er in der Champions League und der Bundesliga für den TTV Gönnern spielt oder wie vergangenen Dienstag in der Nationalmannschaft antritt: Boll gewinnt. Zum Auftakt der EM-Qualifikation gegen Rumänien besiegte der 24-Jährige Constantin Cioti und den Weltranglistendreizehnten Adrian Crisan und trug so zum 3:1-Sieg bei. Gegen Crisan hatte Boll davor vier Mal hintereinander verloren.Seine Saisonbilanz hat er auf 19:0 Siege in Europa ausgebaut. Zudem gewann er bei den Japan Open gegen drei asiatische Top-Ten-Spieler und verbesserte sich so auf Platz zwei der Weltrangliste. "Ich bin im Moment in sehr guter Form und habe großes Selbstbewusstsein", sagt Boll. Eine Negativserie wie die gegen Crisan wirkt in seiner Psyche nicht mehr wie ein Klotz, der den Weg zum Sieg versperrt, sondern wie ein Kieselsteinchen, das man lässig zur Seite kickt. Bundestrainer Richard Prause sagt: "Das A und O ist, dass Timo seit Januar verletzungsfrei ist." Bolls Schwachpunkt ist die Verletzungsanfälligkeit. 2003 und 2004 hatte er mit Rückenschmerzen und anderen Blessuren zu kämpfen. Trotzdem gönnte er sich kaum Pausen und rieb sich zwischen den vielen Verpflichtungen auf. In der Bundesliga war er weiter unübertroffen. Aber auf internationaler Ebene konnte er nicht mehr ganz oben mithalten.Boll hat daraus gelernt. Weil er seit Beginn des Jahres nicht mehr gegen Verletzungen ankämpfen musste, konnte er in die Offensive gehen. Er hat den Körper gezielt aufgebaut, ihn stabiler gemacht. Zudem hat er seine Beinarbeit verbessert. Auch technisch ist er stärker geworden, vor allem im kurzen Spiel. Die kommenden Monate werden zeigen, wie stabil der Frieden zwischen Boll und seinem Körper ist. Dass er schon jetzt, zwei Monate nach Saisonbeginn, von Müdigkeit spricht, mag ihn am Wochenende nicht behindern. Aber es ist ein Warnsignal. Die zweite Lehre, die Boll aus den schwierigen zwei Jahren gezogen hat, bezieht sich auf seinen Spielplan. Er weiß, dass er mehr Pausen braucht. Der Leidtragende ist sein Verein TTV Gönnern, bei dem er den Vertrag nur unter der Bedingung verlängerte, die Einsätze auf "knapp über 20" zu beschränken. Genauer äußert Boll sich nicht.In Lüttich treten unter anderem Wang Liqin, Ma Lin und Wang Hao an, die Nummern eins, drei und vier der Weltrangliste - alle aus China. Im Training der vergangenen Wochen haben sie sich darauf konzentriert, gegen Boll anzukommen. "Für die Chinesen sind Siege gegen Timo besonders wichtig. Die hetzen ihn richtig", sagt Prause.------------------------------Foto: Angriffslustig: Von Freitag an muss sich Timo Boll beim Tischtennis-Weltcup in Lüttich gegen die chinesischen Weltklassespieler durchsetzen.

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