THOMAS ROGALLA gähnt angesichts der Einfallslosigkeit der Pro-Reli-Kampagne.Der Gebrauch des Begriffs "Freiheit" ist freigestellt. Wäre es anders, hätten wir keine. Deshalb steht es den Pro-Reli-Aktivisten frei, ihre gestern erweiterte Kampagne für den Einfluss der Kirchen (es geht hauptsächlich um die christlichen) auf den Religionsunterricht mit "Freiheit" zu bewerben.Zwei Dinge verwundern: Erstens die Geschichtsvergessenheit und der mangelnde Respekt vor dem Freiheitsbegriff. Pro-Reli-Promi Günther Jauch lässt sich allen Ernstes mit dem Satz zitieren: "In Berlin geht es um die Freiheit"... Vielleicht schreiben ihm seine Quiz-Autoren mal ein paar Fragen zur Geschichte Berlins auf, über 18, 45, 61 oder 89, als es wirklich um die Freiheit ging, für deren Erhalt oder Erringung viele Menschen mitunter Leib, manchmal Leben, nicht selten ihre persönliche Freiheit aufs Spiel gesetzt haben.Zweitens stimmt die Einfallslosigkeit der Kampagne verdrießlich. Sie gleicht unzähligen Reklamefeldzügen, in denen die Werber für ein problematisches Produkt (Zigaretten, Treppenlifte, Damenhygiene, Geländewagen) eine für möglichst viele Menschen positive Konnotation suchten: Freiheit! Das Produkt wandert, wie bei Pro Reli, ins Kleingedruckte. Denn gegen Religion sind in Berlin viele, für Freiheit alle. Und Sex, sonst Verkaufsmittel der Wahl, geht ja bei den Kirchen nicht.Nicht zu glauben? Günther Jauch könnte bei der Quiz-Eingangsrunde fragen: Bringen Sie folgende Werbeslogans und die Urheber in die richtige Reihenfolge: a) Freiheit ohne Kompromisse; b) Freiheit statt Sozialismus; c) Wahlfreiheit für Berlin; d) Wahlfreiheit für alle Kaffeetrinker; e) Es gibt noch Freiheit; f) Freiheit, die anzieht; g) Rückkehr zur Freiheit; h) Das neue Stück Freiheit mehr. Urheber: 1) CDU; 2) Ford; 3) OB-Tampons; 4) Severin-Elektro; 5) Pro Reli; 6) Lancia; 7) VW und 8) Sympatex. Seite 17
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