Friedegard Liedtke ist 84 und läuft ihren 47. Marathon

"Inzwischen gehöre ich zu den Langsamen"

Claudia Fuchs
4 Min

Die 84-jährige Friedegard Liedtke aus Wittenau ist die älteste Teilnehmerin beim diesjährigen Berlin-Marathon. Dass sie vor fast 30 Jahren mit dem Laufen angefangen hat, lag an einer Wette um eine Flasche Sekt. Friedegard Liedtke hat die Flasche natürlich gewonnen. Guten Tag, Frau Liedtke. Wir haben schon mehrmals bei Ihnen angerufen, aber Sie waren nicht da. Waren Sie laufen?Ach wo, ich war einkaufen. Zum Training gehe ich erst heute Abend. Dann werde ich wahrscheinlich eine Stunde laufen und gehen - ganz nach Lust und Laune. Am Sonntag werden Sie wohl etwas länger unterwegs sein. Was ist eigentlich so schön daran, sich so viele Stunden zu quälen?Schön . Na ja. Ich habe mal einen klugen Satz gelesen: "Der Marathon selbst ist ungesund, das Gesunde ist die Vorbereitung." Man muss viel trainieren. Und das ist nun mal gesund. Und wie sieht Ihr Training aus?Ich habe eine Lauftruppe. Ganz am Anfang vor 25 Jahren waren wir nur zu dritt, mittlerweile sind es 30 Leute. Wir treffen uns zweimal pro Woche und teilen uns auf in die Langsamen und Schnellen. Und jeder läuft dann, wie er will. Zu welcher Gruppe gehören Sie?Inzwischen zu den Langsamen. Früher habe ich den Marathon in 4 Stunden und 20 Minuten geschafft. Jetzt bin ich nicht mehr so schnell und gehe zwischendurch auch. Ich hoffe, dass ich den Marathon am Sonntag in sechseinhalb Stunden schaffe. Das ist nicht sehr schnell, aber trotzdem noch sieben Kilometer pro Stunde. Wann sind Sie eigentlich zum ersten Mal Marathon gelaufen?Das weiß ich gar nicht mehr genau. Mit 62 oder 63 Jahren. Wenn ich mich nicht irre, müsste das jetzt jedenfalls mein 47. Marathon sein. Sie haben offenbar spät angefangen. Warum überhaupt? Wegen einer Wette. Ich war 57, als Freunde zu mir gesagt haben, dass ich so schlecht in Form bin, dass ich nicht mal das Sportabzeichen schaffen würde. Wir haben um eine Flasche Sekt gewettet. Und wer hat gewonnen?Ich hab sehr viel geraucht zu dieser Zeit und wäre schon an der 1 000-Meter-Strecke gescheitert, wenn ich damals nicht drei Monate lang trainiert hätte. Die Flasche Sekt habe ich dann doch gewonnen. Und bin beim Laufen geblieben. Mittlerweile habe ich schon mein 28. Sportabzeichen. Ist der Marathon die längste Distanz, die Sie je gelaufen sind?Nein. Es gibt einen Spruch: Jeder Läufer muss einmal nach Biel. Dort in der Schweiz werden 100 Kilometer gelaufen. Ich war zweimal da - einmal war ich 16 Stunden und 30 Minuten unterwegs, das andere Mal habe ich 18 Stunden gebraucht. Meine Güte, ist das viel. Führen Sie Buch über die Strecken?Nein, habe ich nie gemacht. Aber inzwischen bedauere ich das manchmal. Es wäre doch schön, wenn ich jetzt wüsste, wie viele Kilometer ich schon gelaufen bin. Bestimmt mehrere Tausend. Wie viele Paar Turnschuhe haben Sie verschlissen?Das weiß ich gar nicht. Zurzeit habe ich jedenfalls drei Paar zur Auswahl. Aber ich werde mir auf der Marathon-Messe noch ein neues Paar kaufen.Haben Sie auch ein spezielles Ernährungsprogramm?Nein, gar nicht. Ich esse viel Obst und Gemüse. Aber ich trinke auch mal ein Bier. Ich seh das nicht so eng wie andere. Was tragen Sie am Sonntag?Welches T-Shirt ich anziehe, weiß ich noch nicht. Sonst habe ich eine schwarze Hose an, die bis übers Knie reicht. Ab einem bestimmten Alter sehen kurze Hosen einfach nicht mehr gut aus. Werden Sie am Ziel von irgendjemandem erwartet?Das glaube ich nicht. Ich kann nicht verlangen, dass jemand so lange wartet. Der würde doch auch die ersten Läufer sehen wollen. Und die kommen ja viel eher an als ich. Das Gespräch führte Claudia Fuchs.BILD/FIRYN 84 Jahre alt und gut in Form: Marathon-Läuferin Friedegard Liedtke.

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