Der Tagespresse konnte man jüngst entnehmen, dass der Bundeskanzler „jähzornig“ sei und einen impulsiven Führungsstil pflege. Laut einer linken Westgazette würde Friedrich Merz dabei bereits ein besorgniserregendes Verhalten an den Tag legen. Einen kleinen Vorgeschmack davon haben einige Parlamentarier sogar schon im Bundestag bekommen. Man fühlt sich aktuell ein Stück weit zurückversetzt in das Jahr 1993, als das Erste Deutsche Fernsehen „Motzki“ ausstrahlte. Jene 13 Folgen über den Frührentner, für den der Tag der Deutschen Einheit ein Katastrophentag gewesen ist. Ob vielleicht auch Friedrich Merz die Auffassung vertritt, dass er in seiner Funktion als Regierungschef „das Zonenpack am Hals“ hat, ist bislang nicht bekannt.
In der ARD-Serie „Motzki“ ist die Weltanschauung damals klar gewesen: „Für die Zonendödels sind Autos Nahkampfwaffen“ und „Ihr Ossis seid jetzt schon fast drei Jahre Deutsche, wie lang soll das noch dauern, bis ihr alles kapiert habt?“, fragte der West-Berliner Motzki. Beim Juristen aus Niedereimer könnte es im Jahr 2026 dann fast gleichlautend klingen: „Ihr Ossis seid jetzt schon mehr als dreißig Jahre Deutsche, wie lang soll das noch dauern, bis ihr alles kapiert habt?“
Die Ossis sollten auf West-Linie gebracht werden
Aber woher rührt dieses Bewusstsein des Mannes aus dem Sauerland und seiner westdeutschen Brüder im Geiste? Die uneinsichtigen Ossis müssen einfach nur richtig auf West-Linie gebracht werden, damit sie endlich verstehen, wie sie in einer „gelebten Demokratie“ zu funktionieren haben. Und um ein wenig nachzuhelfen, bekommen die vermeintlich demokratiefördernden NGOs Millionensummen aus Steuergeldern für den nachhaltigen Brainwash in den neuen Bundesländern. Für den Bundeskanzler in Berlin und erst recht jene, die links von der CDU stehen, sind damit alle Probleme von McPom bis Sachsen und Thüringen gelöst.
Was in einer ARD-Serie als humoristisch empfunden wird, ist für die politische Realität im vereinigten Deutschland – im Jahre 36 nach der Wiedervereinigung – denkbar ungeeignet. Um nicht zu sagen, ein Offenbarungseid! Ein als „Besserwessi“ empfundener Bundeskanzler, der mit den Initialen F.M. auf seinen Socken genau jenes Klischee in Davos bestätigte, bleibt in Dresden, Dessau oder Dierhagen ein eher ungewöhnlicher Gast. Der Teil „Dunkeldeutschland“ ist für die Verwalter im Bundeskanzleramt bis heute gefühlt weiter entfernt als China, die Golfregionen oder Indien, wo der zehnte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland den goldenen Teppich ausgerollt bekommt. Staubpisten, Kopfsteinpflaster mit Schlaglöchern und holprige Plattenwege passen nicht in die Sightseeing-Planungen in der Willy-Brandt-Straße 1 in Berlin.
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„Ihr seid doch in Klamotten rumgelaufen, dagegen war eine Uniform wie ein Frühlingsblumenstrauß“, tönte einst Motzki in der ARD. Und vielleicht deswegen – so erweckt es zumindest den Eindruck – wurde in der amtierenden großen Koalition ein Wehrdienstgesetz verabschiedet, damit die Jungs im grauen Osten zukünftig wie ein bunter Frühlingsblumenstrauß aussehen könnten.
Frauen hingegen müssen den Online-Fragebogen der Bundeswehr noch nicht ausfüllen, denn dies sei erst „der dritte oder vierte Schritt“, heißt es vom amtierenden Bundeskanzler. Bis dahin dürfen die von Motzki als „weibliche Zonendödels“ gebrandmarkten Frauen auch weiterhin ihre DDR-Kittelschürzen tragen, bevor diese dann eines Tages in eine normierte Flecktarn-Uniform eingetauscht werden müssen. Erst dann ist der bunte Frühlingsblumenstrauß für die BRD-Ministeriellen komplett und die blühenden Landschaften im Osten sind vollendet. Ob Friedrich Merz diesen Tag aber noch als Regierungschef (dritter Mann im Staat) der Bundesrepublik Deutschland erleben wird, ist ungewiss.
Der ÖRR verkauft den Osten bis heute als Problem
Das mediale Bild, das vom gebührenfinanzierten Rundfunk über den Osten gezeichnet wird, zeigt diesen auch weiterhin als dauerhaftes Problem in der Republik. Die selbst nach 36 Jahren nicht zu überwindenden kulturellen Abweichungen vom Westen sind für die hochdotierten Intendanten nicht tolerierbar und müssen mit aller Macht korrigiert werden. Was in der Weltanschauung Motzkis in seinem spießigen westdeutschen Wohnzimmer als Demokratie angesehen wird, soll gefälligst auch für all jene gelten, die es wagen, den materiellen und sozialen Abstieg in ihrer Heimat nicht wortlos hinzunehmen.
Und so konnte man das Traumszenario aller Besserwessis bereits bei Frührentner Motzki unzweideutig erleben. In seinem Wohnzimmer hängte er ein Bild mit dem Brandenburger Tor auf, vor dem die Berliner Mauer noch das Land in Ost und West teilte. An seinen Hund gerichtet die selbstgerechte Bestätigung: „Na, was sagst Du dazu? Das war noch ein Anblick, über den man sich freuen konnte.“
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Anders als es in Teilen des Sauerlandes bekannt sein mag, hat der Osten seit jeher ein gesundes Verhältnis zur Ironie gehabt. Deshalb konnten wir bereits drei Jahre nach der Wiedervereinigung Deutschlands genauso über motzende Wessis lachen wie auch noch dreißig Jahre später. Und hier liegt der große Unterschied zu einem Repräsentanten wie Friedrich Merz: Mit Niedereimer liegen seine Wurzeln im beschaulichen Sauerland, also weit entfernt vom Spreewald, dem Südharz oder auch der Schorfheide.
Eine robuste Ost-Vita und dazu verdammt, 36 Jahre lang als friedvoller Zuhörer für Ossi-Witze zu dienen, hätten dem Bundeskanzler eine vollständige Immunität bei aufkommendem Jähzorn aufgrund von schlechten Witzen verliehen – Codewort: Bademantel. Und der Jurist wäre nicht als Weltmeister im Strafanzeigenerstatten in die Geschichtsbücher eingegangen.
„Warum ist die Banane krumm? Weil sie 40 Jahre einen Bogen um die DDR gemacht hat.“ In wenigen Jahren ist das wiedervereinigte Deutschland so alt wie die DDR im Jahre 1989. Am 9. November 2029 feiern wir gemeinsam 40 Jahre Mauerfall. Mögen die verbleibenden Jahre ausreichen, um die Motzkis dieser Republik im wiedervereinigten Deutschland ankommen zu lassen.
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