Die Verlängerung der Stadtautobahn A 100 von Neukölln nach Treptow beschäftigt zunehmend die Juristen. Nach dem Bund für Umwelt und Natur und einigen Anwohnern kündigte jetzt der Bürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg, Franz Schulz (Grüne), eine Klage an. "Wenn eine solche Klage zulässig ist, werden wir als Bezirksamt gegen das absurde Mammutprojekt vor Gericht gehen", sagte er.Schulz begründete den Schritt mit den Auswirkungen, die der Autobahnabschnitt auf Wohngebiete in seinem Bezirk habe. "Der Autobahnknoten an der Puschkinallee wird deutlich mehr Lärm und Feinstaub bis zur Schlesischen Straße nach Kreuzberg tragen." In Friedrichshain sei die Kreuzung Elsenbrücke, Markgrafendamm, Stralauer Allee und Alt-Stralau besonders betroffen. Diese Gebiete seien bereits jetzt über ihre Kapazitäten hinaus belastet, so Schulz: "Eine Studie unseres Bezirksamtes kommt zu dem Schluss, dass fast 60 000 Autos zusätzlich die Wohngebiete um die Elsenbrücke verstopfen würden." Zudem würde der Kiez rund um den Rudolfplatz in Stralau zum Autobahnzubringer und damit vom Verkehr überrollt.Die Baupläne für den 16. Abschnitt der A 100 liegen noch bis zum 9. April in den Rathäusern Treptow und Neukölln aus. Einwendungen gegen das Bauprojekt können bis zum 23. April erhoben werden. Bis zum Freitag waren rund 30 Kritiken eingegangen, sagte der Sprecher der Stadtentwicklungsverwaltung, Marko Rosteck. Natürlich werde man sich mit allen Einwendungen auseinandersetzen, auch mit denen des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg. Der Sprecher bezweifelt aber, dass ein Bezirk gegen das Vorhaben klagen kann. "Die Autobahn ist ein Bundesprojekt, also müsste das Land Berlin dagegen klagen." Das werde das Land aber nicht tun, weil es von den Vorteilen der Autobahn überzeugt sei: Wohngebietsstraßen würden vom Verkehr entlastet, so Rosteck.Das sehen die Berliner Grünen ganz anders. Ihre verkehrspolitische Sprecherin Claudia Hämmerling befürchtet einen Dauerstau rund um den Endpunkt Am Treptower Park. Auch der von den Grünen beauftragte Gutachter Wolf Hahn vom Marburger Büro RegioConsult sieht das Projekt kritisch. Die geplante Autobahn werde ein "planerischer Torso" sein, der mehr Probleme schaffe als löse, sagte er. Solange die Trasse in Treptow ende, seien keine relevanten Verbesserungen im Umfeld zu erwarten. Dieses Manko, so Hämmerling, habe sogar der Senat zugegeben. In dessen Broschüre zur A 100 heißt es: "Erst mit dem 17. Bauabschnitt, der Überwindung von Spree und Bahntrasse, ist die volle Wirkung der Entlastung zu erwarten."Der 17. Bauabschnitt soll später, nach dem Jahr 2017, vom Treptower Park bis zur Frankfurter Allee gebaut werden - mit einer Trasse unter dem Ostkreuz und der Neuen Bahnhofstraße. Doch spätestens seit dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs ist diese Streckenführung bei vielen Experten und Politikern umstritten. In Friedrichshain-Kreuzberg jedenfalls werden derzeit sämtliche Aspekte, die gegen die Autobahn sprechen, gesammelt. Für Bürgermeister Schulz hat sie neben gesundheitlicher Gefährdung auch negative stadtpolitische Auswirkungen: "Ganze Wohngebiete werden durch die Trasse getrennt und dadurch entwertet."Auch in Lichtenberg regt sich Widerstand gegen die A 100. Die Bezirksverordneten forderten das Bezirksamt dazu auf, beim Senat eine ablehnende Haltung zu äußern. Wohngebiete wie die an der Frankfurter Allee, um deren Stabilisierung man sich seit Jahren bemühe, würden unter der Autobahn leiden.------------------------------Teures Stück AutobahnDer 16. Bauabschnitt der Autobahn A 100 soll vom Dreieck Neukölln zur Straße Am Treptower Park führen. Er ist insgesamt 3,2 Kilometer lang, ein Großteil wird in einem Tunnel oder einem Trog geführt. Vier Mehrfamilienhäuser an der Beermannstraße müssen abgerissen werden, 300 Kleingärten weichen. 2011 soll Baubeginn sein.Die Gesamtkosten betragen fast 443 Millionen Euro. Es wäre das teuerste Autobahnprojekt Deutschlands. Die reinen Baukosten in Höhe von 363,9 Millionen Euro werden vom Bund bezahlt. Er ist auch für den Ankauf von Grundstücken (55,5 Millionen Euro) zuständig. Von den übrigen Kosten, etwa für Planung und Bauvorbereitung (23,4 Millionen Euro), übernimmt er einen Teil.Nach der Fertigstellung, die für 2017 vorgesehen ist, soll der Autobahnring weitergeführt werden - in einem Tunnel unter dem Ostkreuz und der Neuen Bahnhofstraße bis zur Anschlussstelle Frankfurter Allee (Friedrichshain).Die Baupläne für den 16. Abschnitt liegen noch bis zum 9. April aus, im Rathaus Treptow (Neue Krugallee 4, Raum 22) und Neukölln (Eingang Donaustraße 37/38, Raum N 6006). Öffnungszeiten: Montag bis Mittwoch 9-16 Uhr; Donnerstag 9-18 Uhr; Freitag 9-14 Uhr). Einwendungen gegen das Bauprojekt können bis zum 23. April erhoben werden. Adresse: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Referat GR B, Württembergische Straße 6, 10707 Berlin.------------------------------Karte: A 100, 16. Bauabschnitt
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