US-Präsidentengattin Melania Trump hat nach Angaben des Weißen Hauses eine örtlich begrenzte Waffenruhe zwischen Russland und der Ukraine für die besetzte Frontstadt Oleschky vermittelt. Beide Seiten hätten zugestimmt, dort ab dem 29. Oktober vorübergehend alle Kampfhandlungen einzustellen, teilte Washington am Freitag mit. Die Vereinbarung solle humanitäre Lieferungen und die Vorbereitung einer Evakuierung über einen sicheren Korridor ermöglichen.
Melania Trump und ein Vertreter hätten direkt mit der russischen und ukrainischen Führung über die Bedingungen verhandelt. Eine Dauer der Feuerpause nannte das Weiße Haus nicht. Moskau bestätigte die geplante Feuerpause. Die ukrainische Armee sagte ihre Unterstützung für eine humanitäre Mission zu.
Bewohner sollen ihren Zielort wählen können
Zivile Vertreter beider Länder sollen nach US-Angaben die verbliebenen Bewohner in ihren Häusern aufsuchen und feststellen, welche Unterstützung sie benötigen. Wer die Stadt verlassen wolle, solle Hilfe und Transport zu seinem gewünschten Zielort erhalten. „Ich gehe davon aus, dass einige nach Russland und andere in die Ukraine gehen wollen“, erklärte Melania Trump laut der Mitteilung.
Eine amerikanische Medienorganisation soll die russischen und ukrainischen Teams begleiten und den Ablauf dokumentieren. Ihren Namen nannte das Weiße Haus nicht. Die Begleitung solle dazu beitragen, dass die Wünsche der Familien respektiert würden.
Nach Darstellung der US-Präsidentengattin entstand die Initiative nach einem vertraulichen Gespräch bei einer Veranstaltung am Rande der UN-Generalversammlung in New York. Für die Verhandlungen habe sie einen bereits bestehenden Gesprächskanal genutzt, über den zuvor Kinder wieder mit ihren Familien zusammengeführt worden seien. Zur Vorbereitung gehörten auch Absprachen über die Räumung von Minen.
Kiew verhandelte bereits über Evakuierungen
Der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Dmytro Lubinez hatte bereits Anfang der Woche von weit fortgeschrittenen Gesprächen mit Russland berichtet. Nach Angaben der Ukrainska Prawda sagte er, letzte Einzelheiten einer Feuerpause und der Evakuierung würden abgestimmt. Die Menschen sollten direkt auf ukrainisch kontrolliertes Gebiet gelangen können.
Diese Gespräche betrafen demnach Oleschky und sechs umliegende Ortschaften. Dort könnten nach ukrainischer Schätzung insgesamt noch rund 6000 Zivilisten leben, darunter bis zu 200 Kinder. In Oleschky selbst seien es etwa 2000 Menschen. Melania Trump wurde in dem Bericht nicht erwähnt. Das Weiße Haus bezifferte die verbliebene Bevölkerung der Stadt auf 1700 bis 2000 Menschen, überwiegend Ältere, sowie etwa 50 Kinder.
Noch am 8. Oktober hatte das Büro von Lubinez auf Anfrage von Ukrinform erklärt, es gebe keinen praktischen Durchbruch. Kiew sei zu einer örtlichen Feuerpause, zur Abstimmung einer sicheren Route und zur Aufnahme der Evakuierten bereit. Damals waren 358 Menschen erfasst worden, die Hilfe bei der Ausreise benötigten.
Hunger und verminte Straßen
Oleschky liegt im Gebiet Cherson auf der russisch besetzten Seite des Dnipro. Russische Truppen nahmen die Stadt zu Beginn ihrer großangelegten Invasion im Februar 2022 ein. Vor dem Krieg lebten dort rund 24.000 Menschen.
Die verbliebenen Einwohner leiden unter Lebensmittel- und Medikamentenmangel. Verminte Zufahrtsstraßen und Drohnen erschweren Hilfslieferungen und die Flucht. Nach einem Bericht von AP fehlen Strom, Heizung und fließendes Wasser. Die Zerstörung des Kachowka-Staudamms im Juni 2023 hatte die Stadt zudem schwer überflutet.
Das ukrainische Außenministerium hatte die Lage Anfang Oktober vor die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa gebracht. Kiew verlangte ungehinderten Zugang für internationale Organisationen sowie Lebensmittel, Medikamente und einen sicheren Evakuierungsweg. Russland trägt als Besatzungsmacht die Verantwortung für die Versorgung der Zivilbevölkerung.
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