Wissenschaft

Neue Studie: Süße Getränke mit Fruktose verändern Immunzellen

Süße Getränke mit Fruktose beeinflussen laut einer Studie wichtige Immunzellen. Forscher sehen dadurch ein erhöhtes Infektions- und Entzündungsrisiko.

3 Min
Eine Frau erfrischt sich mit einem fruktosegesüßten Getränk.

Eine Frau erfrischt sich mit einem fruktosegesüßten Getränk.

© HalfPoint Images/imago

Fruktose kann das Immunsystem schneller beeinflussen als bisher angenommen. Der Einfachzucker kommt natürlicherweise in Obst vor, wird in hohen Mengen jedoch vor allem in Softdrinks, Süßigkeiten und vielen Fertigprodukten verwendet. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der Universität Wien, die in der Fachzeitschrift Redox Biology veröffentlicht wurde.

Die Forscherinnen und Forscher untersuchten dabei nicht den Effekt von Obst, sondern den von fruktosegesüßten Getränken, die deutlich höhere und schneller verfügbare Fruktosemengen liefern. Demnach reagierten bestimmte Immunzellen nach dem Konsum solcher Getränke stärker auf bakterielle Toxine. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler warnen, dieser Effekt könne Entzündungen fördern und das Infektionsrisiko erhöhen.

Das Team um Ina Bergheim vom Institut für Ernährungswissenschaften untersuchte die Wirkung in zwei randomisierten Studien mit gesunden Erwachsenen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten entweder fruktosegesüßte Getränke oder Vergleichsgetränke, die mit Glukose gesüßt waren. Zusätzlich wurden isolierte Immunzellen im Labor getestet, um die biologischen Mechanismen im Detail zu verstehen.

Monozyten reagieren nach Fruktose stärker auf bakterielle Reize

Im Mittelpunkt standen sogenannte Monozyten, eine wichtige Gruppe von Immunzellen im Blut. Sie spielen eine zentrale Rolle bei der Abwehr von Krankheitserregern. Die Forscherinnen und Forscher stellten fest, dass der Konsum von Fruktose zu einem deutlichen Anstieg von Toll-like-Rezeptor 2 in den Monozyten führte. Dieser Rezeptor erkennt Bestandteile bakterieller Zellwände und löst Immunreaktionen aus. Je mehr Rezeptoren vorhanden sind, desto stärker fällt die Reaktion der Zellen aus.

Im Versuch reagierten die Monozyten der Probandinnen und Probanden nach dem Fruktosekonsum stärker auf Lipoteichonsäure, eine bakterielle Substanz, die im Körper Entzündungen auslösen kann. Die Studie dokumentiert außerdem eine erhöhte Ausschüttung entzündungsfördernder Botenstoffe wie Interleukin 6, Interleukin 1β und Tumornekrosefaktor Alpha.

Schon wenig Fruktose kann Immunreaktionen verstärken

„Die Konzentration der Rezeptoren stieg und damit auch die Intensität der Entzündungsreaktion“, sagte Bergheim. Die Ergebnisse zeigten, dass sogar kurzfristiger und ansonsten unproblematischer Fruktosekonsum die Empfindlichkeit des Immunsystems verändern könne. „Unsere Daten deuten darauf hin, dass einzelne Nahrungsbestandteile, insbesondere Fruktose, das Immunsystem beeinflussen und Entzündungen verstärken können.“

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Offen bleibt, wie sich eine dauerhaft erhöhte Aufnahme von Fruktose auf die Immunfunktion auswirkt. Die Forschenden verweisen darauf, dass besonders Menschen mit Vorerkrankungen gefährdet sein könnten, etwa mit Typ zwei Diabetes oder einer Fettlebererkrankung, die oft Teil eines metabolischen Syndroms ist. Weitere Untersuchungen seien notwendig, um die langfristigen Folgen zu bewerten.

Die Studie ordnet sich in wachsende Forschung ein, die den Einfluss von Ernährung auf das Immunsystem untersucht. Infektionen gehören trotz medizinischer Fortschritte weiterhin zu den weltweit häufigsten Todesursachen. Vor diesem Hintergrund rückt die Frage stärker in den Fokus, ob bestimmte Lebensmittel oder Zuckertypen das Gleichgewicht des Immunsystems stören können.

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