Wirkliches Urteilen ist eine schöne, manchmal eine bewundernswerte Leistung: Die entschiedene Anwendung eines klaren Begriffs auf einen ebenso klar erkannten Sachverhalt, notfalls unter Schmerzen der Peinlichkeit und unter sozialen Risiken, missverstanden oder verleumdet zu werden – das nötigt uns Respekt ab. Nur mit echten Urteilen können wir die gemeinsame Erkenntnis einer Sache weiterbringen.
In meinem persönlichen Begriffssystem gibt es einen Gegensatzbegriff zu „Urteil“, das „Wohlfeil“. Das Wohlfeil ist auch ein Urteil, es tut aber nicht weh und exponiert den Sprecher nicht als jemanden, der etwas zu wissen behauptet, was im Allgemeinen gar niemand besprechen mag. Das Wohlfeil ist ein Urteil, das im sicheren Fahrwasser bleibt und die aktuellen Tabus nicht berührt; wer es äußert, bleibt in der Meinungsherde.
Kolumne
Fünf Jahre Corona-Pandemie: Das wohlfeile Gerede der NZZ – und was die eigentlichen Themen sind
Vor fünf Jahren begann die Corona-Maßnahmenpolitik. Heute ist klar, dass sie massive Schäden verursacht hat. Doch echte Aufarbeitung findet nicht statt. Eine Kolumne.
6 Min
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Michael Andrick
© Emmanuele Contini/Berliner Zeitung
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