Die Bosse von Werder Bremen sollten sich ob des verlorenen Uefa-Cup-Finales von Istanbul nicht grämen. Die Niederlage gegen Schachtjor Donezk hat ihnen die Zukunftsplanung erleichtert. Sie hat, weil sie so verdient war, für Klarheit gesorgt. Sie hat den Verdacht bestätigt, dass Bremens Team ohne den Regisseur Diego auf gehobenem Niveau nicht konkurrenzfähig ist - und dass der Brasilianer mit seiner Brillanz massive Mängel im Kader jahrelang übertüncht hat. Sie hat verdeutlicht, dass die Bremer ihre Mannschaft im Sommer massiv umbauen müssen.Es ist erstaunlich, wie wenig fußballerische Substanz der Klub von der Weser zu bieten hat, nun, nachdem er seine fünfte und vorerst letzte Saison in der Champions League absolviert hat. Hat man nicht immer gesagt, dass eine Mannschaft, die mehrere Jahre hintereinander in Europas Eliteliga antritt, schon wegen der dort garantierten Einnahmen auf lange Zeit kaum von der nationalen Spitze zu verdrängen ist? Die Bremer widerlegen diese These auf eindrucksvolle Art: Sie sind in der Bundesliga auf Rang zehn abgestürzt, und sie beschäftigen Spieler wie Dusko Tosic und Alexandros Tziolis, Jurica Vranjes, Sebastian Prödl und Markus Rosenberg - Spieler, die allenfalls für Frankfurt oder Bielefeld eine Verstärkung wären und die belegen, dass die einst gelobte Bremer Personalpolitik zuletzt sehr gewöhnlich geworden ist.Der Sommer 2009 wird der wohl kniffligste Sommer, den Trainer Thomas Schaaf und Manager Klaus Allofs beim SV Werder je erlebt haben. Sie müssen die Lücke füllen, die der abwandernde Diego hinterlässt, und sie müssen jeden Cent, den er an Ablöse einbringt, perfekt investieren. Misslingt ihnen das, droht ein längerer Aufenthalt im Niemandsland der Liga. Ein Drama aber wäre das nicht. Vielleicht würde den Bremern solch eine Dürrephase sogar helfen. In der Rolle des etablierten Edelklubs haben sie schließlich soeben geschwächelt. Die Rolle des vergessenen, unterschätzten, überraschenden Kleinklubs beherrschen sie viel besser.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]