Für den FC Barcelona kann die Klub-WM in Abu Dhabi zu einer Art Jahresrückblick werden

Hilfsarbeiter mit Weltformat

Ronald Reng
3 Min

BARCELONA. Die Zahl der Arbeitslosen in Spanien nähert sich den 20 Prozent, der amerikanische Friedensfreund Barack Obama nervt, Spanien solle doch mehr Soldaten in den Afghanistan-Krieg schicken, aber irgendwie glaubte der Chef des FC Barcelona, Joan Laporta, Spaniens Ministerpräsident José Luis Zapatero habe nicht genug zu tun. Vergangene Woche rief er Zapatero an, um ihm mal ein echtes Problem zu schildern. Die spanische Luftfahrtbehörde zwinge Barça auf dem Flug zur WM für Klubteams in Abu Dhabi zur Zwischenlandung in Istanbul, man sei so neun statt sechs Stunden unterwegs; unzumutbar, fand Laporta, könne Zapatero da nichts machen, er sei doch Barça-Fan!Man habe "schöne Worte" von Zapatero gehört, aber keine Abhilfe erhalten, berichtete Barças Generaldirektor Joan Oliver und gab sich katalanischen Verschwörungstheorien hin. "Die spanischen Fluglinien versuchen, uns zu boykottieren, weil wir jetzt mit Turkish Airlines fliegen", polterte Oliver. Die türkische Fluglinie zahlt dem Klub neben dem kostenlosen Transport 1,5 Millionen Euro pro Saison für den Werbeeffekt. "Wenn nicht Barça, sondern ein spanisches Team betroffen gewesen wäre, hätte man die Sache gelöst", behauptete Oliver. "Aber wir sind nur noch Spanier, wenn es die Spanier interessiert."Pralinen vom ClownSo landete Barça nach neunstündiger Anreise in den Emiraten, um einem einmaligen Jahr den letzten Glanz zu geben. Mit der Klub-WM, die für Barça heute im Halbfinale gegen den FC Atlante aus Mexiko beginnt, hätte die Elf 2009 alle möglichen sechs Titel gewonnen. Die Klub-WM ist für Barça dieses Jahr eine Besessenheit: Es ist der einzige Titel, den der Klub noch nie gewann.2009 war das Jahr Barças, und das Schönste, was diese Klub-WM nun werden kann, ist eine Art Jahresrückblick. Was sie 2009 vor allem offenbarten, war, wie eine funktionierende Spielideologie jeden einzelnen Fußballer besser macht. Jeder Hilfsarbeiter der Elf sah aus wie Weltklasse. Auch Gerard Piqué. An ihm lässt sich festmachen, was Barça heraushebt. Er ist seit seiner Geburt Mitglied des FC Barcelona. Mit 17 emigrierte Piqué nach Manchester, United rief. Mit 20, vor zwei Jahren, ließ ihn Uniteds Trainer Alex Ferguson jedoch nach Barcelona zurückkehren, weil er nach einigen Schnitzern nicht mehr absolut an den Innenverteidiger glaubte.Im Mannschaftsspiel Barças aber wurde Piqué zum Nationalspieler. Denn das strukturierte Spiel machte aus dem talentierten einen methodischen Verteidiger, auch beim Dribbling: Ist Barcelonas Aufbauspieler Xavi im Mittelfeld bewacht, dribbelt Piqué provokant auf Xavi zu, so dass dessen Gegner von ihm ablässt, um auf Piqué zuzustürzen; Xavi ist befreit, der Angriff beginnt. Solche Details entscheiden Partien. Barça pflegt sie wie niemand.Dass Barça am Sonntag - bestenfalls als Klub-Weltmeister - wieder neun Stunden zurückfliegen muss, ist für Piqué auch kein Problem, sondern eine Chance. Er ist der Clown des Teams, Rückflüge sind seine Auftritte. Einmal ließ er nachts um zwei den Duty-free-Shop in Kiew für sich öffnen, um eine Schachtel Pralinen zu kaufen und jeden Mitspieler mit einem Stück Süßes zu belohnen, ein anderes Mal initiierte er eine Kissenschlacht. Er wird sich auch diesmal etwas einfallen lassen.Die spanische Luftfahrtbehörde erinnerte Barças Präsidenten Laporta unterdessen daran, dass er mal hätte nachdenken sollen, bevor er den Vertrag mit Turkish Airlines unterschrieb. Als man Barça zum Zwischenstopp in Istanbul verdonnerte, habe man nur die internationalen Normen angewandt. Direkte Flüge zu Zielen außerhalb der EU sind nur Fluglinien aus dem Abflug- oder Ankunftsland gestattet.

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