Die Iraner gelten als Meister in der Kunst, klare Aussagen zu umgehen und Antworten so wortreich und verschwommen zu geben, dass jede Interpretation möglich ist. In der Formulierung, dass man Vorschläge "interessant finde", kann auch eine Zurückweisung stecken. In diesem Sinne hat die Führung in Teheran nun, nach fast einem Monat, auf die Offerte des EU-Chefdiplomaten Javier Solana reagiert, die den Streit über das iranische Atomprogramm beilegen soll.In dem Angebot der fünf UN-Vetomächte und Deutschlands (5+1) wird dem Iran Hilfe beim Aufbau eines zivilen Nuklearprogramms sowie enge wirtschaftliche Zusammenarbeit zugesagt. Im Gegenzug soll der Iran sein Urananreicherungsprogramm einstellen. Nun befand Außenminister Manuchehr Mottaki am Rande einer UN-Sitzung in New York: "Wir sehen neue Möglichkeiten, zu einer umfassenden und vielfältigen Herangehensweise zu kommen". Iran sei zu Gesprächen bereit, hieß es dann offiziell, man wünsche sich aber, dass auch die iranischen Lösungsvorschläge geprüft würden.Das ist kein Durchbruch, denn die Dialogzusage ist an Bedingungen geknüpft. Aber es ist auch keine Absage. Bemerkenswert allerdings ist eines: Es fehlt der Zusatz, dass der Iran sein Recht auf die Urananreicherung niemals aufgeben werde.Offenbar beginnt der Druck zu wirken, den die USA auf den Iran ausüben. Dieser Druck geht allerdings weniger von den Wirtschaftssanktionen aus - der Iran kompensiert dessen Folgen zunehmend erfolgreich durch Kooperationen mit China, Russland, Indien und den Golfstaaten. Es sind vielmehr die diversen Meldungen über Kriegsplanungen und Militärübungen, die für Unruhe sorgen.Lange Zeit hat die iranische Führung diese Gefahr nicht ernst genommen. Schließlich sieht sich das Land als politisches Schwergewicht im Nahen und Mittleren Osten, ja als wichtigen Partner, wenn es dort um Stabilisierung und Konfliktlösungen geht. Auch militärisch halten sich die Iraner für keine leichten Gegner. Zudem hielt Iran es für ausgeschlossen, dass die USA einen weiteren Krieg riskieren könnten angesichts der verheerenden Lage in Irak. Mit diesem Selbstbewusstsein ausgestattet glaubte die Führung in Teheran ihre Zusicherung reiche aus, dass das Land lediglich ein ziviles Atomprogramm betreibe und nicht nach Nuklearwaffen strebe.Diese Versicherung zeigt jedoch keine Wirkung. Auch deshalb möchte die Teheraner Führung die Europäer jetzt nicht verprellen. Doch ihrer Ansicht nach entscheiden weder sie noch die 5+1-Runde über Krieg oder Frieden. Für Teheran zählen als Partner oder Gegner allein die USA. Will die Bush-Regierung den Konflikt friedlich lösen, muss sie nach Ansicht Teherans direkte Gespräche aufnehmen. Will Präsident Bush jedoch den Iran angreifen, meint man in Teheran, werden ihn weder der Dialog noch Argumente europäischer Politiker davon abhalten.Mittlerweile stellen sich die Politiker in Teheran auch auf diese Entwicklung ein: Für den Fall von Angriffen werden Kopfprämien für getötete Amerikaner ausgelobt. Im Irak, so drohen iranische Offizielle, werde eine Mord- und Terrorwelle einsetzen. An der iranisch-irakischen Grenze würden bereits Gräber ausgehoben.Zudem glauben die Iraner, eine Trumpfkarte zu haben. Präsident Bush hat sich bei seiner Kriegsplanung auf Präsident Ahmadinedschad fokussiert, der vor allem wegen seiner Hetzparolen gegen Israel als das Böse schlechthin gilt. Würde er in letzter Minute abgesetzt, so die Überlegung, käme den Amerikanern ein wichtiger Kriegsvorwand abhanden. Allerdings: Diese Überlegung setzt voraus, dass den Strategen in Teheran vor einem Angriff noch Zeit bleibt, um den Trumpf auszuspielen.
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