Für einen in eine Buche geritzten Satz fordert Templin rund 10 000 Mark

Die erste Liebe eines Schülers sollte "big" werden - jetzt wird sie teuer

Susanne Rost und Katrin Bischoff
4 Min

TEMPLIN. "Love T + M = big". Dieser Satz ist in den Stamm einer Rotbuche im Bürgerpark von Templin (Uckermark) eingeritzt. T steht für Thomas, M für Michaela. Thomas B. hat diesen Satz vor vier Jahren in den Stamm des 70 Jahre alten Baums geschlagen. Damals war Thomas 15. Im Juli soll ein Gericht in zweiter Instanz entscheiden, ob der heute 19-jährige Kochlehrling rund 10 000 Mark Schadenersatz an die Stadt zahlen muss.Thomas ging damals noch zur Schule und war in ein Mädchen verknallt. Seine große Liebe hieß Michaela. Thomas hätte damals ein Herz und seine sowie Michaelas Initiale in die Bank am Baum schnitzen können. Doch das schien ihm offenbar zu einfach. Da nahm er eine kleine Axt. Seitdem steht "Love T + M = big" an der Rotbuche - in 25 Zentimeter großen Buchstaben. "Er war das erste Mal so verliebt und wollte einfach auf diesem Weg seine Liebe zu Michaela ausdrücken", sagt Christiane B., die Mutter von Thomas. Thomas wurde bei der Axt-Aktion beobachtet und wegen Sachbeschädigung angezeigt. Bei der Polizei gab der Schüler zu, sich im Stamm verewigt zu haben. Die Polizei stellte das Strafverfahren wegen Geringfügigkeit aber bald ein.Alles wäre gut gewesen. Wenn nicht zwei Jahre später vom Anwalt der Stadt Templin ein Brief ins Haus geflattert wäre. Darin wurden die Eltern des Jungen aufgefordert, 9 978 Mark Schadenersatz an die Stadt zu zahlen. "Ein Gutachter hatte festgestellt, dass sich die Lebenserwartung des Baumes durch die Beschädigung des Stammes erheblich verringert hat", sagt der Anwalt der Stadt, Franz-Christoph Michel. 15 Jahre hätte der Baum demnach noch zu leben gehabt.Familie B. verweigerte die Zahlung. "Mein Sohn hat doch niemanden verprügelt. Wer hat denn früher nicht mal in den Stamm eines Baumes seine Initiale geritzt", sagt Christiane B. "Aber wir haben die Tat von Thomas auch nicht gut geheißen und den Schaden eingesehen. Also boten wir der Stadt 1 500 Mark für die Pflege des Baumes an." Aber das Geld sei abgelehnt worden. Stattdessen habe die Stadt einen Vergleich und die Zahlung von 5 000 Mark vorgeschlagen. "Die Summe haben wir aber nicht akzeptiert", sagt Christiane B. Also klagte Templin im Juli 1998 auf Schadenersatz. Das Amtsgericht bestellte einen weiteren Baumspezialisten. Der sagte aus, dass die Buche höchstens noch 30 Jahre zu leben hätte. Thomas wurde daraufhin Ende vergangenen Jahres zur Zahlung der knapp 10 000 Mark verurteilt. "Dagegen haben wir erfolgreich Berufung eingelegt", sagt der Anwalt des Jungen, Andreas von Hübschmann. Sein Argument: Für Jugendliche sei das Einritzen der Initiale eine adäquate Art, die Liebe zu seiner Angebeteten auszudrücken. Außerdem bestünden Zweifel an den Gutachten, da sich beide erheblich in ihren Urteilen unterschieden. "Zudem hat mir ein Forstwissenschaftler gesagt, dass der Baum auch wieder gesund werden kann", sagt von Hübschmann.Das Landgericht Neuruppin, dort wird die neue Verhandlung stattfinden, hat mittlerweile einen dritten Sachverständigen - einen Berliner Professor der Humboldt-Universität - beauftragt, sich die Rotbuche anzuschauen. "Ich bin davon überzeugt, dass das Berufungsgericht das Urteil bestätigen wird", sagt Templins Anwalt Michel. Die Stadt müsse schließlich ihren Anspruch auf Schadenersatz geltend machen. "Das ist, als wenn eine Bushaltestelle zerstört worden wäre", sagt der Anwalt. Da könne man den Schaden nicht einfach mit Arbeitsstunden ausgleichen.Das findet der Anwalt von Thomas B. nicht. "Schade, dass keine Einigung möglich war. Wenn das Gerich wieder gegen meinen Mandanten entscheidet, dann wird der junge Mann - Zinsen und Gerichtskosten dazu gerechnet - mit 20 000 Mark Schulden ins Leben starten", sagt Andreas von Hübschmann.Die Rotbuche hat in diesem Jahr wieder geblüht, der Satz von der "big" Liebe ist schon wieder etwas verwachsen. Diese Liebe - drei Jahre hat sie zwischen Thomas und Michaela gewährt.BERLINER ZEITUNG/GEZETT In 25 Zentimeter großen Buchstaben ist u. a. das Wort "Love" in den Stamm der Rotbuche geschlagen worden.

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