Die vier Lecks an den Gasleitungen Nord Stream 1 und Nord Stream 2 nahe der dänischen Insel Bornholm dominieren die Medienlandschaft. Die EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen stellt Sanktionen gegen die Schuldigen in Aussicht, und selbst der Nato-Chef Jens Stoltenberg zeigte sich besorgt über den „vorsätzlichen, rücksichtslosen und unverantwortlichen Sabotageakt“.
Die Spekulationen nehmen kein Ende. Der Tagesspiegel berichtete etwa unter Verweis auf Regierungskreise, dass die beschädigten Stränge bald für immer unbrauchbar werden. Wenn eine große Menge Salzwasser in die Pipelines einläuft, würde das zum Korrodieren der Pipelines führen und die betroffenen Stränge der durch die Ostsee verlaufenden Gasleitungen wären damit „für immer zerstört“. Eine zu vorschnelle Prognose?
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„Die Pipelines sind selbstverständlich reparabel“
Die komplexe Verlegung der Röhren bei Nord Stream 2 zuerst durch die schweizerische Allseas-Gruppe und dann nach den US-Sanktionen durch Gazprom zeigt etwa, dass die Röhren Stück für Stück hermetisch verlegt werden können und Wasser durch eine längere Pause bei der Verlegung nicht unbedingt zum Problem wird. Ein sachkundiger Experte, der früher mit Nord Stream 2 zusammenarbeitete, verweist deswegen mit Blick auf die Lecks gegenüber der Berliner Zeitung darauf, dass „die Pipelines selbstverständlich reparabel sind“.
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Die grundsätzliche Reparabilität der Röhren bestätigt auch der Betreiber von Nord Stream AG. „Wir wollen jetzt so schnell wie möglich an die betroffenen Stellen (der Pipelines) gelangen, um die Größe des Schadens einzuschätzen“, sagte ein Sprecher des Betreibers der Berliner Zeitung. „Danach können wir einige Schlussfolgerungen darüber ziehen, wann, wie, mit wie viel Geld und wie repariert werden soll.“ Gehen die Leitungen so schnell kaputt? Selbst wenn jetzt viel Gas ausgelaufen ist, bedeute das noch nichts für die Röhren, so der Sprecher.
Nord Stream AG hat die weltweit größte Klemme zur Reparatur von Lecks
Dass die Beschädigung einzelner Stellen an den Strängen noch keinen Tod für die Pipeline bedeutet, zeigen auch die älteren Berichte des Betreibers. Es gibt Spezialklemmen zur Reparatur von Lecks, und die Nord Stream AG verfügt über die weltweit größte Klemme zur Reparatur von Lecks oder strukturellen Schäden an Offshore-Pipelines. Diese hat sie bereits vor Jahren erhalten. Man berichtete über eine umfassende Reparaturstrategie, und Nord Stream war laut Einschätzungen gut „auf Reparaturen vorbereitet“. Das Gleiche gilt wohl auch für Nord Stream 2. Aus dieser Perspektive ist die Frage der Reparatur der beschädigten Stellen wohl eine des politischen Willens, nicht der technischen Möglichkeiten.
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