Litauen hat erstmals einen nationalen Evakuierungsplan. Dieser regelt landesweit einheitlich, wie Menschen im Kriegs- oder Katastrophenfall in Sicherheit gebracht werden. Wie das Innenministerium in Vilnius mitteilte, unterzeichnete der geschäftsführende Innenminister Vladislavas Kondratovicius am Dienstag den entsprechenden Erlass.
Nach Angaben des Ministeriums sollen sich rund 75 Prozent der Bevölkerung bei Bedarf eigenständig in Sicherheit bringen können. Die verbleibenden 25 Prozent – jene ohne eigenes Fahrzeug oder mit besonderem Hilfebedarf – sollen von den Kommunen transportiert werden. Vorrang erhielten dabei Familien mit kleinen Kindern, Menschen mit Behinderung sowie ältere Einwohner, hieß es aus dem Innenministerium. Der öffentlich-rechtliche Sender LRT bestätigte diese Aufteilung.
Der Plan umfasst laut Ministerium den gesamten Ablauf – von der Entscheidung über die Warnung der Bevölkerung bis hin zu Transport, vorübergehender Unterbringung und Grundversorgung.
Zur Alarmierung sollen Sirenen sowie Kurzmitteilungen auf Litauisch und Englisch per Cell-Broadcast-Technik dienen, die Nachrichten gleichzeitig an alle Mobiltelefone in einem bestimmten Gebiet sendet. Weitere Informationen sollen über die App LT72 laufen.
Abstimmung mit dem Militär
„Die Evakuierung der Bevölkerung ist eine der wichtigsten Maßnahmen des Zivilschutzes“, erklärte Kondratovicius. Der Plan ermögliche es, Zuständigkeiten von Ministerien, Polizei, Feuerwehr und Gemeinden vorab abzustimmen.
Die Evakuierungsrouten sollen mit Militärkommandanten, der litauischen Armee und der Polizei abgestimmt werden, um zugleich die militärische Bewegungsfreiheit zu wahren. Die Umsetzung soll bei einer landesweiten Zivilschutzübung erprobt werden.
Litauen liegt an der östlichen Ostseeküste und grenzt an Lettland, Belarus, Polen sowie die russische Exklave Kaliningrad. Mit gut 65.000 Quadratkilometern ist das Land etwas kleiner als Bayern. Anfang Juli 2026 lebten dort rund 2,89 Millionen Menschen.
Die Bundeswehr ist seit dem Jahr 2017 in Litauen präsent. Seit 2025 baut sie dort die Panzerbrigade 45 auf. Bis 2027 soll die Brigade auf rund 4800 Soldaten anwachsen.
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