Archäologie

Fundort Monte Verde in Chile womöglich Tausende Jahre jünger als bisher angenommen

Der Fundort in Chile gilt als starkes Argument für eine sehr frühe Besiedlung Amerikas. Doch eine neue Studie stellt die Datierung von Monte Verde infrage. Beginnt die Debatte von vorn?

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Monte Verde in Südchile galt lange als wichtiger Fundort für die frühe Besiedlung Amerikas.

Monte Verde in Südchile galt lange als wichtiger Fundort für die frühe Besiedlung Amerikas.

© Cortesia/imago

Der archäologische Fundort Monte Verde in Südchile ist nach einer am 19. März in der Fachzeitschrift Science veröffentlichten Studie möglicherweise weit jünger als bislang angenommen. Ein Forschungsteam um den Archäologen Todd Surovell von der University of Wyoming kommt zu dem Ergebnis, dass die menschliche Nutzung des Ortes nicht auf rund 14.500 Jahre vor heute datiert, sondern auf einen Zeitraum zwischen 4200 und 8200 Jahren. Am wahrscheinlichsten sei eine Besiedlung vor 6000 bis 8000 Jahren, erklärte Surovell am Donnerstag laut Reuters.

Sollte sich diese Neubewertung durchsetzen, hätte Monte Verde für eine der großen Fragen der Archäologie wohl weit geringere Bedeutung: die Debatte darüber, wann Menschen erstmals den amerikanischen Kontinent erreichten.

Vulkanasche als entscheidender Befund

Monte Verde, rund 58 Kilometer von der Pazifikküste entfernt, wurde in den 1970er-Jahren entdeckt. Eine 1997 veröffentlichte Datierung auf 14.500 Jahre machte den Ort zu einem der ältesten bekannten Siedlungsplätze südlich der eiszeitlichen Gletscher Nordamerikas – und damit älter als die Fundorte der sogenannten Clovis-Kultur, die auf etwa 12.800 Jahre datiert werden.

Da Monte Verde Tausende Kilometer südlich dieser Orte liegt und als älter galt, sahen Wissenschaftler darin einen wichtigen Hinweis darauf, dass die Besiedlung Amerikas deutlich früher begonnen haben musste als bis dahin angenommen.

Surovells Team nutzte laut der Science-Studie drei verschiedene Datierungsmethoden und untersuchte Holzproben, Sandablagerungen eines Bachlaufs sowie eine Schicht vulkanischer Asche. Die Asche sei auf ein Alter von rund 11.000 Jahren datiert worden und liege unterhalb der Besiedlungsspuren, erklärte Surovell. Die menschliche Präsenz müsse also später eingesetzt haben.

Die bisherige Altersbestimmung beruhte auf einer Radiokarbondatierung von Holzstücken. Surovell erklärte, dass das Holz zwar tatsächlich rund 14.500 Jahre alt sei, aber nichts mit der menschlichen Besiedlung zu tun habe. Es handele sich um älteres Material, das durch den mäandernden Bachlauf aus den Uferbereichen gelöst und neu abgelagert worden sei.

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Scharfer Widerspruch vom langjährigen Erforscher

Der Anthropologe Tom Dillehay von der Vanderbilt University, der Monte Verde seit den 1970er-Jahren erforscht, wies die Ergebnisse am Donnerstag entschieden zurück. Die Studie enthalte „viele methodische und empirische Fehler“, erklärte Dillehay laut Reuters.

Die Interpretation der Holzproben ignoriere einen umfangreichen Bestand gut datierter kultureller Funde – darunter Steinwerkzeuge, Holz- und Knochenartefakte, essbare Pflanzenreste wie Seetang und Kartoffeln, Feuerstellen, menschliche Fußabdrücke sowie Fleisch- und Hautreste von Tieren. „Es ist eine Mischung aus Erfindungen und Missverständnissen. Sie haben gesehen, was sie sehen wollten, und gingen mit vorgefassten Schlussfolgerungen an den Fundort heran“ sagte Dillehay.

Surovell hielt dem entgegen, Monte Verde bleibe relevant für das Verständnis der menschlichen Besiedlung der Region während des Holozäns – der geologischen Epoche seit rund 11.700 Jahren. Für die Frage nach der Erstbesiedlung der Amerikas habe der Fundort aber keine Aussagekraft mehr.

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