Die iranische Fußballnationalmannschaft ist bei der Weltmeisterschaft in Nordamerika in der Vorrunde gescheitert. Wie die Nachrichtenagentur AP am Samstag (Ortszeit) berichtete, reichten drei Unentschieden in der Gruppe G nicht, um sich als einer der acht besten Gruppendritten für die erstmals ausgetragene Runde der letzten 32 zu qualifizieren. Den Ausschlag gab das Parallelspiel zwischen Österreich und Algerien im Arrowhead Stadium in Kansas City, das 3:3 endete.
Kurzzeitig sah es nach einem Einzug der iranischen Auswahl in die K.-o.-Phase aus. Ein Treffer von Riyad Mahrez tief in der Nachspielzeit brachte Algerien mit 3:2 in Führung. Mit dem nahezu letzten Angriff der Partie glich der Österreicher Sasa Kalajdzic per Kopf zum 3:3 aus. Beide Mannschaften zogen damit gemeinsam in die nächste Runde ein, der Iran schied aus.
Die iranische Mannschaft beendete das Turnier ungeschlagen. Auf ein 2:2 gegen Neuseeland waren ein 0:0 gegen Belgien und ein 1:1 gegen Ägypten gefolgt. In der entscheidenden Partie gegen die ägyptische Mannschaft wurde ein später Führungstreffer wegen Abseits aberkannt, wie Reuters berichtete. Zudem vergab Kapitän Mehdi Taremi einen Strafstoß.
Reisebeschränkungen prägen Turnierverlauf
Die Vorbereitung war nach Darstellung von Reuters durch politische Vorgaben belastet. Wegen des Kriegs zwischen dem Iran und den USA sowie unklarer Visafragen schlug das Team sein Quartier im mexikanischen Tijuana auf und reiste für seine drei Gruppenspiele in die Vereinigten Staaten. US-Behörden verlangten demnach, dass die Spieler erst 24 Stunden vor Anpfiff einreisen und das Land noch am Spieltag wieder verlassen. Für die letzte Partie in Seattle wurden die Auflagen leicht gelockert, sodass die Anreise zwei Tage vorher erlaubt war.
Der iranische Fußballverband hatte sich während der Vorrunde beim Weltverband Fifa gegen die Reiseauflagen beschwert, wie Reuters berichtete. Die Einschränkungen seien mit dem Grundsatz gleicher Bedingungen für alle teilnehmenden Mannschaften nicht vereinbar. Kapitän Taremi sagte dem britischen Guardian, die Fahrt von Tijuana in den Großraum Los Angeles habe mit Sicherheitskontrollen rund fünf Stunden gedauert.
Trainer forderte Fifa zum Eingreifen auf
Trainer Amir Ghalenoei warf den Gastgebern eine sehr unfaire Behandlung vor und richtete sich an Fifa-Präsident Gianni Infantino. „Ich fordere die Fifa auf, künftig nicht zuzulassen, dass Gastgeber Teams und Spieler so behandeln“, sagte Ghalenoei nach Angaben des Guardian auf der Pressekonferenz nach dem Spiel gegen Ägypten. Hätte sein Team zwei Wochen früher anreisen dürfen, wäre es besser vorbereitet gewesen.
Ghalenoei führte zudem Muskelkrämpfe und Verletzungsprobleme mehrerer Spieler auf die Reisebelastungen zurück. Einige Auswechslungen seien nicht aus taktischen Gründen erfolgt, sondern wegen körperlicher Beschwerden. Kapitän Taremi verwies darauf, dass elf führende Funktionäre keine Visa erhalten hätten, und sprach von einem logistischen Desaster.
Bereits vor Turnierbeginn hatte der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmaeil Baghaei, die USA scharf kritisiert. Die WM sei als globales Fußballfest gedacht, nicht als Gelegenheit, andere Nationen zu erniedrigen, schrieb er nach Angaben des staatlichen Senders Press TV auf der Plattform X. Mexiko habe die Mannschaften dagegen herzlich empfangen.
Washington nannte Sicherheitsbedenken
Andrew Giuliani, Leiter der Arbeitsgruppe des Weißen Hauses zur Weltmeisterschaft, hatte das Vorgehen seiner Regierung verteidigt. Wie der Sender Al Jazeera meldete, bezeichnete er die Visavergabe an die iranische Mannschaft als bemerkenswert und verwies darauf, dass die Spieler überhaupt zum Turnier zugelassen worden seien.
Gegenüber AP verwies Giuliani zudem auf frühere Äußerungen von US-Außenminister Marco Rubio, wonach Personen mit direkten Verbindungen zu den iranischen Revolutionsgarden nicht einreisen dürften.
Das Visum von Mittelfeldspieler Mehdi Torabi war nach dem ersten Spiel abgelaufen; nach Angaben des US-Außenministeriums wurde ihm im Konsulat in Tijuana ein neues Visum für mehrfache Einreisen ausgestellt.
US-Präsident Donald Trump hatte laut Reuters bereits im März erklärt, der Iran sei willkommen, er halte einen Aufenthalt des Teams in den Vereinigten Staaten aber „für ihr eigenes Leben und ihre Sicherheit“ nicht für angemessen. Vor dem Auftaktspiel protestierten Hunderte Exil-Iraner gegen die Regierung in Teheran, während zahlreiche Zuschauer das Team im Stadion lautstark unterstützten.
Das iranische Sportportal Varzesh3 bezeichnete das Ausscheiden als bitter und kaum fassbar. Österreich trifft in der Runde der letzten 32 auf Spanien, Algerien spielt gegen die Schweiz.
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