Seit Dezember 1998 können S-, Regional- und Fernbahnzüge ungehindert auf einer 35 Millionen Mark teuren neuen Brücke über die Havel rollen. Doch Fußgänger, die vom Stabholzgarten zum Stresow wollen, müssen noch immer kilometerweite Umwege in Kauf nehmen. Zwar gibt es an der Nordseite des Eisenbahnviadukts einen Fußgängerweg, doch der ermöglicht bestenfalls einen schönen Blick auf das Rathaus, das Lindenufer und die Havel. Einen praktischen Nutzen für Passanten hat das Stahlbauwerk nicht, denn es hat nur einen Zugang auf dem westlichen Havelufer. Das Heruntergehen auf der östlichen Havelseite ist nicht möglich, weil dort eine Treppe oder Rampe fehlt.Die Bahn erklärt das Fehlen des zweiten Brückenzugangs mit Unstimmigkeiten beim geplanten Ankauf des Grundstücks auf dem Ostufer, das einem Baustoffunternehmer gehört. "In der Planung für die Brücke sahen wir keine Probleme mit dem Gelände", sagt Silke Hannig von der Verkehrsbau GmbH der Deutschen Bahn. Der Weg sollte auf einer Rampe entlang der Bahntrasse bis zum Stresowplatz führen. Doch dann habe der Grundstückseigentümer einen zu hohen Preis gefordert, den die Bahn nicht bezahlen wollte. Und die Brücke blieb auf der Ostseite ohne Abschluss.Einigung mit EigentümerJetzt hat sich die Bahn mit dem Eigentümer geeinigt. "Der Grundstückseigner will auf dem Gelände ein Mietshaus bauen. In dieses Projekt wird der behindertengerechte Zu- und Abgang integriert", sagt Silke Hannig.Wann die Brücke aber wirklich von Fußgängern genutzt werden kann, ist noch völlig offen. Deshalb fordert unter anderem die Bürgerinitiative Spandauer Verkehrsbelange eine Fußgängerbrücke an der südlichen Seite der Eisenbahnbrücke. Die war nämlich eingespart worden, weil der Platz für die geplante Transrapid-Trasse freigehalten wurde. "Nach dem Scheitern dieses Projekts ist der Platz für eine Brücke dort vorhanden", sagt Jürgen Czarnetzky von der BI. Schließlich habe es an der alten Eisenbahnbrücke ursprünglich sogar Fußgängerwege auf beiden Seiten der Brücke gegeben.Doch Silke Hannig wehrt ab: "Für die Südseite gibt es bei uns keine Planung. Dafür wird es kein Geld geben. Schließlich ist die Brücke auf der Nordseite ja eigentlich schon da. Die wird auch vollendet und bleibt nicht etwa ein Torso."BLZ/DANIEL BRAUN Die Fußgängerbrücke hat keinen Abgang zum Stresow auf dem Ostufer.
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