Ein in Berlin arbeitender Bloomberg-Korrespondent ist mit Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) zum G20-Finanztreffen in die USA gereist. Zugang zu der Konferenz in Asheville im Bundesstaat North Carolina erhielt er jedoch nicht. Das US-Finanzministerium verweigerte ihm die Akkreditierung.
Selbst eine Intervention der Bundesregierung auf hoher diplomatischer Ebene blieb ohne Erfolg. Das berichtete ZDFheute unter Berufung auf Kreise der deutschen Delegation.
Der Bloomberg-Korrespondent ist nicht der einzige betroffene Journalist. Das US-Finanzministerium schloss auch einzelne Reporter der New York Times und des Wall Street Journal sowie weitere Mitarbeiter von Bloomberg vom Treffen der G20-Finanzminister und Zentralbankchefs aus. Individuelle Gründe für die Entscheidungen nannte die Behörde nicht.
Klingbeil verweigert Gruppenfoto mit Siluanow beim G20-Finanzministertreffen
Deutsche Intervention hilft nur der New York Times
Das Bundesfinanzministerium hatte sich intensiv für zwei in Berlin arbeitende Korrespondenten eingesetzt, die Klingbeil zu dem Treffen begleiteten. Der Berliner Büroleiter der New York Times, Jim Tankersley, war zunächst ebenfalls abgewiesen worden. Nach der deutschen Intervention erhielt er doch noch eine Akkreditierung.
Für den Korrespondenten von Bloomberg blieben die Gespräche dagegen erfolglos. Das Vorgehen gegenüber einer internationalen Nachrichtenagentur sei beispiellos und aus Sicht der Bundesregierung inakzeptabel, berichtete dpa unter Berufung auf Delegationskreise.
Klingbeil kritisierte den Ausschluss mehrerer Medien öffentlich. Er setze sich für eine freie und unabhängige Presse ein, sagte der Finanzminister in Asheville. Die Medien hätten ein legitimes Interesse, offen über die G20-Konferenz zu berichten. Den Ausschluss nannte er laut Deutschlandfunk „inakzeptabel“.
US-Finanzministerium nennt keine konkreten Gründe
US-Finanzminister Scott Bessent bestritt, dass die Auswahl mit der Haltung oder Berichterstattung der betroffenen Journalisten zusammenhänge. Die Entscheidung habe „nichts mit der Sichtweise“ der Reporter zu tun, sagte er der Nachrichtenagentur AP.
Ein Sprecher seines Ministeriums erklärte gegenüber Reuters, mehr als 300 Medienvertreter berichteten aus Asheville. Mit dem Zugang zu den politischen Entscheidungsträgern gehe die Verantwortung einher, „sachliche Informationen im Einklang mit etablierten journalistischen Standards zu verbreiten“.
Ob dieser Hinweis als Kritik an den abgewiesenen Journalisten gemeint war, erklärte das Ministerium nicht. Auch konkrete Verstöße gegen journalistische Standards wurden nicht genannt.
New York Times spricht von Versuch, Kontrolle zu umgehen
Unter den ausgeschlossenen Reportern befindet sich Alan Rappeport von der New York Times. Er berichtet seit 2017 über das US-Finanzministerium und internationale Finanztreffen.
Die New York Times bezeichnete die verweigerte Akkreditierung als Versuch, unabhängigen Journalismus zu untergraben und „öffentlicher Kontrolle zu entgehen“. Bloomberg erklärte, zahlreichen Reportern der Nachrichtenagentur sei der Zugang verweigert worden. Nach Angaben des Unternehmens betrifft dies Korrespondenten aus mehreren Ländern.
Der Deutsche Journalisten-Verband bezeichnete die Absagen als „klaren Verstoß gegen die Pressefreiheit“. DJV-Chef Mika Beuster hatte Klingbeil aufgefordert, sich bei den USA für die betroffenen Medien einzusetzen.
Die Trump-Regierung hat den Zugang von Medien bereits mehrfach eingeschränkt. Die Nachrichtenagentur AP klagt wegen ihres zeitweisen Ausschlusses aus dem Pressepool des Weißen Hauses. Auch das Pentagon verschärfte die Zugangsregeln für Journalisten.
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