Spannungen

G20-Treffen: Kein „Familienfoto“ der Außenminister – Lawrow kritisiert Wadephul

Mehrere Teilnehmer des G20-Außenministertreffens lehnten ein Foto mit Russlands Außenminister Lawrow ab. Dieser spricht von „Familienfoto-Diplomatie“.

3 Min
Russlands Außenminister Sergej Lawrow beim G20-Außenministertreffen in Atlanta

Russlands Außenminister Sergej Lawrow beim G20-Außenministertreffen in Atlanta

© Peter Zay/imago/Anadolu Agency

Das Gruppenfoto der G20-Außenminister ist beim Treffen in Atlanta ausgefallen. US-Außenminister Marco Rubio sagte das Gruppenfoto ab, nachdem mehrere europäische Vertreter wegen der Anwesenheit des russischen Außenministers Sergej Lawrow mit einem Boykott oder Verlassen des Raums gedroht hatten, wie AP berichtet.

Ein westlicher Diplomat erklärte der Nachrichtenagentur Reuters, etwa ein Drittel der Teilnehmer habe ein gemeinsames Foto mit Lawrow abgelehnt, darunter Australien und Kanada. Der deutsche Außenminister Johann Wadephul (CDU) sagte laut Bloomberg am Freitag: „Ich gehe zum jetzigen Zeitpunkt davon aus, dass es überhaupt kein Familienfoto geben wird.“ Er fügte dem Bericht zufolge hinzu: „Es gibt keine Normalität mit Russland. Wir dürfen auch keine falschen optischen Signale aussenden.“

Lawrow: „Das nenne ich ‚Familienfoto-Diplomatie‘“

Lawrow übte daraufhin Kritik. Der deutsche Außenminister habe noch einen Monat zuvor in New York um ein Treffen mit ihm gebeten. Er warf Wadephul nun vor, dieser habe „eine Art Erklärung abgegeben, dass er ‚Lawrow alles sagen werde, was den aggressiven Krieg betrifft, und sich niemals fotografieren lassen werde‘.“

„Das nenne ich ‚Familienfoto-Diplomatie‘. Wenn es für sie vor allem darauf ankommt, wie sie auf einem Familienfoto wirken und wer neben ihnen steht, dann sagt das schon alles“, erklärte der russische Außenminister bei einer Pressekonferenz zum Abschluss des ersten Tages des G20-Treffens, wie die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass berichtet.

Am Freitag hatte Lawrow laut Tass gesagt, er begrüße „die grundsätzliche Entschlossenheit“ der USA, „die Diskussionen zu entpolitisieren und sich auf die ursprünglich für die G20-Agenda vereinbarten Themen zu konzentrieren“. Nach Angaben von AFP sprach Lawrow am Freitag zudem von einem kurzen, „angenehmen“ Gespräch mit US-Außenminister Marco Rubio. Tass zufolge sagte er jedoch auch, es bestünden weiterhin Probleme zwischen den USA und Russland und es gebe „keine wirklichen Veränderungen“ in den Beziehungen.

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Kallas wirft Lawrow „Lügen“ über Ukraine-Krieg vor

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas warf Lawrow unterdessen vor, beim G20-Treffen Lügen über den Ukraine-Krieg verbreitet zu haben. „Natürlich hat er viele Lügen, viele falsche Darstellungen vorgebracht, die wir anschließend widerlegen konnten“, sagte sie der Nachrichtenagentur AFP. Ein weiterer europäischer Diplomat sagte dem Bericht zufolge, Lawrow sei bei den Beratungen „ziemlich provokant“ aufgetreten.

Der russische Außenminister bekräftigte dagegen, dass Moskau seine Position im Ukraine-Krieg nicht geändert habe. Russland werde nicht akzeptieren, dass die Ukraine eine „militärische Bedrohung für die legitimen Sicherheitsinteressen der Russischen Föderation“ darstelle, berichtete Reuters.

Keine gemeinsame Abschlusserklärung erwartet

Die G20-Außenminister werden zum Abschluss ihrer zweitägigen Beratungen keine gemeinsame Erklärung veröffentlichen. Stattdessen soll eine Erklärung des Vorsitzenden die Gespräche zusammenfassen. US-Außenminister Marco Rubio werde sie zum Abschluss veröffentlichen, berichtete AP unter Berufung auf Diplomaten. Hintergrund seien zahlreiche Meinungsverschiedenheiten, darunter dass die USA Südafrika nicht zum G20-Treffen eingeladen hatten.

Die Diplomaten erklärten dem Bericht zufolge, dies sei aufgrund tiefgreifender Differenzen zwischen den Teilnehmern bei mehreren Themen schon länger geplant gewesen. Als Themen, bei denen keine Einigkeit herrsche, nennt AP neben dem Ukraine-Krieg den Krieg der USA und Israels gegen den Iran, die US-amerikanische Zollpolitik und Chinas Aktivitäten im Südchinesischen Meer.

Das Treffen der Außenminister ist die letzte größere Zusammenkunft vor dem G20-Gipfel der Staats- und Regierungschefs im Dezember. Dieser soll vom 14. bis 16. Dezember in Miami im US-Bundesstaat Florida stattfinden. US-Präsident Donald Trump hat auch den russischen Präsidenten Wladimir Putin eingeladen. Ob dieser die Einladung annimmt, ist bislang offen. (mit AFP)

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