ROM. Die Nacht vom 21. auf den 22. Juli 2001 werden viele Italiener nie vergessen. Mehr als 300 000 Globalisierungsgegner aus ganz Europa hatten sich in jenen heißen Sommertagen in der norditalienischen Hafenstadt Genua versammelt, um gegen den damaligen G8-Gipfel zu demonstrieren - meist friedlich. Am Rande aber kam es zu Ausschreitungen des Schwarzen Blocks, und ein Demonstrant wurde von der Polizei erschossen.Höchste AlarmbereitschaftIn die Annalen der Antiglobalisierungsbewegung, die damit ihren Höhepunkt erreicht hatte, aber ging der G8-Gipfel ein, weil die Polizei Methoden anwandte, die eines Rechtsstaates unwürdig waren. Sie drang nachts in die Unterkunft für Demonstranten ein, verprügelte Schlafende und verletzte sie teilweise schwer. Mehr als 200 wurden unter schikanösen Bedingungen tagelang in einer Kaserne festgehalten und misshandelt.Der Schatten von Genua liegt auf dem aktuellen G8-Gipfel. Zwar ist der Mobilisierungsgrad unter Gipfelgegnern in ganz Europa heute längst nicht mehr so hoch wie vor acht Jahren. Dennoch gleichen Rom und L'Aquila schon seit Tagen Städten im Belagerungszustand. In ganz Italien sind Sicherheitskräfte wegen möglicher Terroranschläge in höchster Alarmbereitschaft.15 000 Mitglieder von Polizei und Armee sind im Einsatz, um die Staats- und Regierungschefs und ihre Delegationen zu schützen. Das Gelände um den Tagungsort, eine Schule der Finanzpolizei, ist weiträumig abgesperrt. L'Aquila, dessen Stadtzentrum bei dem Erdbeben vom 6. April völlig zerstört wurde, erlebt in diesen Tagen einen doppelten Ausnahmezustand.Seit Genua fanden die G8-Gipfel streng abgeschirmt und weitab von großen Städten statt, und ursprünglich sollten sich die G8 in diesem Jahr auf einem Luxusschiff vor Sardinien treffen. Dann aber verlegte Regierungschef Silvio Berlusconi das Treffen überraschend in die Erdbebenregion - nicht nur aus hehren Motiven. Er hoffte auch, große Protestaktionen mit der Wahl des Ortes gleich im Keim zu ersticken. Tatsächlich nehmen Bewegungen wie Attac oder Greenpeace in Deutschland G8 nicht mehr Ernst. "Wir konzentrieren uns auf den nächsten G20-Gipfel in Pittsburg", sagt Attac-Sprecherin Frauke Distelrath. "G8 hat sich politisch überlebt." Aus Deutschland werden keine Attac-Vertreter gemeinsam anreisen.
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