Herr Dimas, welche Erwartungen haben Sie an den beginnenden G-8-Gipfel in L'Aquila in Sachen Klimaschutz?Ich erhoffe mir wichtige Impulse auf dem Weg zu einem weltweiten Klimaschutzvertrag. Ich würde mir deswegen wünschen, dass sich die acht führenden Industriestaaten zu dem Ziel bekennen, den weltweiten Temperaturanstieg auf zwei Grad Celsius zu beschränken und die Emission von Treibhausgasen bis 2050 im Vergleich zu 1990 um 80 Prozent zu verringern. Die weltweiten Treibhausgasemissionen aller sollten bis 2050 im Vergleich zu 1990 um 50 Prozent verringert werden. Forscher halten das für erforderlich, um den Klimawandel zu bremsen.Umweltschützer sagen dagegen aber, langfristige Ziele reichen nicht aus.Das ist richtig. Noch besser wäre es natürlich, wenn sich die G8 auch darauf verständigen könnten, die Emissionen aller Industrieländer bis 2020 um 25 bis 40 Prozent zu mindern, wie von der Wissenschaft verlangt. Die EU jedenfalls ist dazu bereit. Wir haben 30 Prozent angeboten, wenn andere Länder mitziehen.Wie bewerten Sie die neue Rolle der Vereinigten Staaten in der Klimapolitik?Die Klimapolitik der neuen US-Regierung ist ein großer Fortschritt, auch wenn die Pläne zur Minderung von Treibhausgasen deutlich hinter denen der Europäer zurückzubleiben scheinen.Bis 2020 wollen die USA ihre Treibhausgase gerade einmal um vier Prozent gegenüber 1990 zurückführen.Ja. Aber bei den langfristigen Zielen sind sie ehrgeiziger. Auch die USA wollen die Emissionen bis 2050 um 80 Prozent mindern. Man wird abwarten müssen, wie sie das erreichen wollen. Für eine endgültige Beurteilung ist es noch zu früh.Die Entwicklungsländer warten aber noch immer auf konkrete Finanzzusagen der Industrieländer.An der Frage der Finanzierung entscheidet sich der Klimaschutz. Ohne Geld gibt es kein Abkommen. Ohne substanzielle Zugeständnisse der Industrienationen an die Entwicklungsländer wird es im Winter keinen Kopenhagen-Vertrag geben. Denn der Klimawandel betrifft ja besonders die ärmeren Nationen. Die EU ist deswegen bereit, einen fairen Beitrag zu leisten. Hoffentlich werden wir im Oktober auch eine konkrete Zahl nennen.Warum noch nicht jetzt?Weil das auch von den Reduktionszielen der anderen abhängt. Je ehrgeiziger die Reduktionsziele, umso mehr Unterstützung wird nötig sein, um diese umzusetzen.Wie stellen Sie sich eine internationale Lastenteilung beim Klimaschutz denn konkret vor?Das ist Gegenstand der Verhandlungen auf dem Weg zu einem Kopenhagen-Vertrag. Ich denke, die Lastenverteilung muss sich an Kriterien wie Reichtum eines Landes, Einsparpotenzial von Treibhausgasen, Bevölkerungstrends oder auch den bisherigen Leistungen beim Klimaschutz orientieren. Wer bislang wenig getan hat, muss zukünftig eben mehr tun.Gilt das auch für die Entwicklungsländer?Die Entwicklungsländer müssen auch zu einem Klimaabkommen beitragen, indem sie den Anstieg ihrer Emissionen verringern. Wir schlagen vor, dass die Entwicklungsländer als Gruppe sich das Ziel setzen, die Emissionen bis zum Jahr 2020 um 15 bis 30 Prozent zu verringern im Vergleich zu einer Entwicklung ohne spezielle Politikmaßnahmen zur Emissionsminderung. Ein Teil dieser Reduktionen finanziert sich selbst, zum Beispiel durch Investitionen in Energieeffizienz. Zum Erreichen dieses Zieles wird aber auch finanzielle Unterstützung von Industrieländern notwendig sein.Wie sicher sind Sie angesichts der vielen Differenzen, dass es in Kopenhagen überhaupt zu einem guten Vertrag kommen wird?Ich glaube zu 100 Prozent daran. Der Druck der Weltöffentlichkeit ist immens. Dem können sich die Regierungschefs nicht entziehen.Das Interview führte Jörg Michel.------------------------------Foto: Stavros Dimas, Umweltkommissar der EU
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