G8-Gipfel - Im italienischen L'Aquila diskutieren die wichtigsten Industrienationen und Globalisierungskritiker ab heute über die Bewältigung der Wirtschaftskrise, den Klimaschutz und die Armutsbekämpfung.

Globale Lösungen gesucht

Jörg Michel
2 Min

BERLIN. Es ist ein Auftritt mit Symbolkraft: Kurz bevor heute im italienischen L'Aquila der Gipfel der acht wichtigsten Industriestaaten (G8) beginnt, trifft sich Kanzlerin Angela Merkel mit ihrem italienischen Amtskollegen Silvio Berlusconi in Onna. Das ist nicht nur jener Ort, der vom schweren Erdbeben im Frühjahr am stärksten betroffen war und für deren Wiederaufbau Deutschland Millionen bereitstellt. Onna steht auch für ein historischen Makel. Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges hatten Wehrmachtsoldaten dort 14 Männer und Frauen hingerichtet. Auch diesen Opfern will die Kanzlerin in den Abruzzen gedenken.Zehn Kilometer weiter, in L'Aquila, dürften die Unterhändler der G8 da noch mit den letzten Vorbereitungen beschäftigt sein. Bei dem dreitägigen Mammuttreffen stehen die Themen Wirtschaftskrise, Klimaschutz, Entwicklungshilfe und Nahrungsmittelsicherheit im Mittelpunkt. Während die Staats- und Regierungschefs der G8 am ersten Tag unter sich bleiben, werden am Donnerstag und Freitag auch die Führer der aufstrebenden Schwellenländer wie China oder Indien sowie größerer afrikanischer Staaten wie Südafrika oder Nigeria hinzugezogen. Insgesamt werden 28 Staaten und neun internationale Organisationen vertreten sein. Das ist Rekord. Die drängenden globalen Probleme lassen sich im exklusiven Kreis der G8 schon lange nicht mehr lösen.Das betrifft auch die weltweite Rezession. Wie aus Regierungskreisen zu erfahren war, wollen die G8 ihre Sorge vor Protektionismus bekräftigen, eine Bilanz der Maßnahmen zur Finanzmarktregulierung ziehen und Strategien für die Zeit nach der Wirtschaftskrise entwickeln. Außerdem will man die stockende Welthandelsrunde wieder anschieben.Beim Klimaschutz erhofft sich die Regierung Impulse auf dem Weg für ein weltweites Klimaabkommen, das im Winter in Kopenhagen beschlossen werden soll. Die Chancen stehen gut, dass sich die G8 auf das Ziel verständigen, den globalen Temperaturanstieg auf zwei Grad Celsius zu beschränken. Umstritten ist, ob es dazu langfristige Zielvorgaben bei der Reduzierung der Treibhausgase gibt. Die EU sähe gerne ein Bekenntnis für eine Halbierung bis zum Jahr 2050 - was in den außereuropäischen Ländern allerdings auf Vorbehalte trifft. Keine Chancen haben kurzfristige Minderungsziele bis 2020. Ebenso schwierig gestalten sich die Gespräche zur Armutsbekämpfung. Trotz diverser Zusagen stocken viele G8-Staaten ihre Entwicklungshilfegelder nur langsam auf.------------------------------Foto: G8-Protestbotschaft auf Kinderplanschbecken in Anspielung auf Silvio Berlusconis Nähe zu Teenagern

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