ROM. Die Idee klang zu aberwitzig, um wahr zu sein. Wenige Wochen, nachdem Anfang April ein schweres Erdbeben die Abruzzen heimgesucht hatte, verkündete Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi, der diesjährige G8-Gipfel solle statt auf einem Luxusschiff vor Sardinien in L'Aquila, Hauptstadt der Abruzzen, stattfinden. Ein typischer Berlusconi, dachten viele.Die Idee aber stammte nicht von ihm, sondern von dem Mann, der schon bewiesen hat, dass er in der Lage ist, das schier Unmögliche zu vollbringen. Oder besser gesagt, zu organisieren - wie beispielsweise den Ansturm der Pilger nach dem Tod von Papst Johannes Paul II zu bewältigen oder die Müllberge in Neapel zu beseitigen.Guido Bertolaso, seit acht Jahren Chef des italienischen Zivilschutzes, ist so etwas wie das personifizierte gute Gewissen einer Nation. Der 59-jährige hatte wohl so schnell wie kein Zweiter begriffen, dass zwei solcher Aufgaben im Land gleichzeitig nicht zu bewältigen sind: Nothilfe für mehr als 50 000 Obdachlose in den Abruzzen zu leisten und zugleich vor Sardinien die Infrastruktur für die Politiker der Welt und die einfallenden Journalisten fertig zu stellen.Der ausgebildete Tropenmediziner machte aus der Not eine Tugend. Er konzentrierte alle Anstrengungen auf das Erdbebengebiet - sehr zum Verdruss der notorisch strukturschwachen Insel Sardinien. Bereits nach wenigen Tagen waren so gut wie alle Betroffenen in Zeltstädte evakuiert.Als Tagungsort erkor er den einzigen Ort in L'Aquila aus, der dafür überhaupt noch in Frage kommt, das Gelände einer Schule der Finanzpolizei, am westlichen Rand der zerstörten Stadt. Sie bietet zwar kaum Komfort, ist aber zumindest erdbebensicher und wurde jetzt im Eiltempo so umgebaut, dass selbst Barack Obama dort nächtigen wird.Keine der teilnehmenden Regierungen wagte es, sich dem moralischen Druck aus Rom zu widersetzen. "Unser Hauptaugenmerk gilt den Betroffenen", sagte Bertolaso, und ihnen sollen auch sämtliche Maßnahmen in Höhe von 50 Millionen Euro, die jetzt für die Ausrichtung des Gipfels nötig sind, am Ende zugute kommen.------------------------------Foto: Guido Bertolaso, oberster italienischer Zivilschützer
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