Die französische Kaufhauskette Galeries Lafayette zieht sich Ende 2024 von ihrem einzigen deutschen Standort in Berlin-Mitte und somit auch aus Deutschland zurück. Der Mietvertrag für die Filiale in der Friedrichstraße mit dem Immobilieneigentümer Tishman Speyer werde nicht verlängert, teilte das Kaufhaus am Mittwochabend mit.
Der Betrieb solle eingestellt werden, sobald der Mietvertrag Ende 2024 auslaufe; 190 Mitarbeitende seien betroffen. Damit ist nach dann fast 29 Jahren an diesem Standort Schluss für den französischen Kaufhauskonzern, dessen Pariser Stammhaus legendär ist und der noch an mehr als 50 weiteren Standorten weltweit vertreten ist.
Der Luxus ist längst abgewandert
Überraschend kommt die Nachricht, dass es gerade in Berlin nicht geklappt hat, nicht wirklich, denn das Kaufhaus mit dem charakteristischen Glastrichter des französischen Architekten Jean Nouvel, fälschlicherweise immer öfter als „Luxus-Store“ deklariert, wurde von den Berlinerinnen und Berlinern nie richtig angenommen.
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Zum einen mag das am zwar hochpreisigen, doch letztlich austauschbaren Sortiment an Oberbekleidung gelegen haben. Zum anderen hat sicherlich der „Fluch der Friedrichstraße“ sein Übriges getan, dass auch das letzte nennenswerte Geschäft der Meile seinen Rücken kehrt.
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Denn dauerhaft etabliert hat sich zwischen Checkpoint Charlie und Unter den Linden nichts Nennenswertes. Luxusgeschäfte wie Hermès oder Gucci sind abgewandert an den Kudamm. Das Quartier 206, vor Jahren noch im Luxussegment angesiedelt, dümpelt vor sich hin, große Marken haben auch ihm längst den Rücken gekehrt. Was auf der Friedrichstraße bleibt, ist der Computerfachhandel, ein paar mittelpreisige Restaurants und die üblichen Bäckereifilialen.
Ein Umfeld, das sicherlich nicht zum Flanieren oder ausgiebigen Shopping einlädt und eines, in dem sich zuletzt auch die Galeries Lafayette zunehmend schwertat. Beliebt ist allein die Gourmet-Abteilung im Basement des Kaufhauses; die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde hier regelmäßig gesichtet, um französische Delikatessen einzukaufen. Besonders angetan hatte es ihr die Fischabteilung.
Überraschend kommen die Schließungspläne ohnehin nicht. Dass der Mietvertrag Ende des kommenden Jahres ausläuft, ist schon lange bekannt. Galeries Lafayette hatte indes in den vergangenen Wochen immer wieder betont, derzeit mit dem Eigentümer über eine Verlängerung des Vertrags zu verhandeln.
„Mitglied der Familie“
Der Handelsverband Berlin-Brandenburg bedauert den Schritt des französischen Kaufhauskonzerns: „Wir nehmen die Entscheidung unseres Mitglieds sehr betroffen zur Kenntnis, aber auch mit Verständnis, denn sie ist Ausdruck der angespannten Lage im Berliner Einzelhandel“, sagte Hauptgeschäftsführer Nils Busch-Petersen. „Es ist für alle bedauerlich, wenn sich dieses Mitglied der Familie dazu entscheidet, aus Berlin fortzugehen.“
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Zum Rückzug der Galeries Lafayette sagte der Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer zu Berlin (IHK), Robert Rückel: „Das Aus für das Lafayette ist nicht nur ein herber Schlag für die Friedrichstraße, sondern wirft auch ein Schlaglicht auf die schwierige Lage für Berlins Einkaufsstraßen insgesamt. Das veränderte Einkaufsverhalten durch Onlineshopping, Pandemie und allgemeine Wirtschaftslage stellt den stationären Einzelhandel vor große, teils existenzbedrohende Herausforderungen.“ Für die Friedrichstraße bedeute das, sie müsse sich neu erfinden. „Jetzt sind innovative Ideen und Konzepte notwendiger denn je, um diesen Häutungsprozess zu einem guten Ende zu bringen.“
Auch Berlins Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) äußerte sich bedauernd zum nun verkündeten Aus. „27 Jahre lang war das Kaufhaus ein Anziehungspunkt in der Friedrichstraße“, teilte sie auf Anfrage mit. „Wir unterstützen jetzt die Bemühungen des Handelsverbands Berlin-Brandenburg, den Beschäftigten der Galeries Lafayette eine Perspektive anbieten zu können.“ Übermäßig eingesetzt für den Erhalt des Standortes hatte sich die Lokalpolitik in der Vergangenheit allerdings nicht. Wohl auch deshalb, weil die Galeries Lafayette eben nie das KaDeWe des Ostens wurden. Und man insgeheim die Friedrichstraße als zukunftsträchtig für den gehobenen Einzelhandel wohl schon abgeschrieben hat.
Das Kaufhaus werde alles tun, um die Mitarbeitenden des Geschäfts während des gesamten Prozesses bestmöglich zu unterstützen, teilte das Unternehmen weiter mit. Auch der Handelsverband sicherte Hilfe zu. „Wir werden als Verband alles dazu beitragen, Galeries Lafayette unsere Unterstützung anzubieten und uns auch um die Mitarbeiter zu kümmern“, sagte Busch-Petersen. Sie würden mit Sicherheit eine neue Stelle finden, der Markt suche nach genau solchen Fachkräften.
Der Eigentümer, der US-Immobilienentwickler Tishman Speyer, hatte allerdings stets betont, an einer Lösung für das Kaufhaus über 2024 hinaus nicht interessiert zu sein. Kultursenator Joe Chialo (CDU) hatte sich dafür ausgesprochen, in dem Gebäude die Zentral- und Landesbibliothek unterzubringen. Für die Bibliothek wird seit Jahren ein neuer Standort gesucht. Die beiden anderen Standorte am Blücherplatz und in der Breiten Straße sind zu klein geworden und haben zudem dringenden Sanierungsbedarf.
Die Kosten für einen Umzug dürften allerdings immens sein, doch könnte die Zentral- und Landesbibliothek an diesem Standort dafür sorgen, dass die darbende Friedrichstraße doch noch zu einer Bestimmung jenseits einer Durchfahrtsstraße in Richtung Kreuzberg oder Mitte wird. Was dem Einzelhandel leider nicht gelungen ist, schafft am Ende vielleicht die Kultur. Und wer weiß, eventuell kommen dann auch wieder die Geschäfte in die Stadtmitte.
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