Marc-Aurel Spalek (22) und Lennard Weitzmann (20) vertreten Deutschland bei den WorldSkills, den Handwerker-Weltmeisterschaften, in Shanghai. Die beiden angehenden Landschaftsgärtner aus Chemnitz haben sich mit ihren überlegenen Siegen bei der Sachsenmeisterschaft und der Deutschen Meisterschaft in Berlin für die Handwerks-Weltmeisterschaft qualifiziert.
Am kommenden Mittwoch brechen sie nach China auf – begleitet von einem großen Unterstützerteam und dem Wunsch nach dem „Wunder von Shanghai“. Hier findet vom 23. bis 26. September der viertägige Wettbewerb für 64 nicht akademische Berufe statt. Zu den diesjährigen WorldSkills (Berufe-Weltmeisterschaften) werden mehr als 1400 Talente aus über 70 Ländern und Regionen erwartet.
Bei einer Scheckübergabe erhielt ihr Chef, der Gala-Baubetriebsinhaber Burkhardt Wiener, 7000 Euro für die Kosten der Vorbereitung der beiden WM-Teilnehmer. Das Geld wurde vom Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Sachsen gesammelt und ist ein Ausgleich vor allem für bereitgestellte Trainingsmaterialien. 1500 Euro steuerte die sächsische Landesregierung bei.
Für Marc-Aurel Spalek und Lennard Weitzmann ist die Reise nach Shanghai der vorläufige Höhepunkt eines fast zweijährigen Weges. „Wir haben sehr konzentriert auf dieses Ziel hingearbeitet“, sagen die beiden jungen Landschaftsgärtner unisono: „Jetzt wollen wir zeigen, was wir können.“ Seit dem Deutschen Meistertitel erlebten beide viel Spannendes, darunter diverse Fortbildungen, wie ein Schwimmteichseminar und auch ein Baumseminar bei der Baumschule Heros in Geithain. Der Besuch der Chelsea Flower Show in London, die für ihre beeindruckenden Showgärten weltweit bekannt ist, war ein weiterer Bildungstermin.
Sachsens Landschaftsgärtner-Verbandschef Axel Keul brachte für die WM einen 7000-Euro-Zuschuss mit, um die optimale Vorbereitung der beiden WM-Teilnehmer zu unterstützen.
© Ingo Eckardt
Gartenbau-WM: 22 Stunden für landestypischen Garten
In Shanghai treten Zweierteams aus rund 20 Nationen im Gala-Bau-Bereich gegeneinander an. Ihre Aufgabe: Innerhalb von 22 Arbeitsstunden, aufgeteilt in drei sechsstündige Etappen und eine vierstündige Etappe, einen anspruchsvollen Garten gestalten. Dabei müssen die Teilnehmer Wege, Wasseranlagen, Pflanzen und Holzprojekte zu einem stimmigen Gesamtbild verbinden.
Die Anforderungen gehen weit über das bloße Pflanzen hinaus. Vorbereitet ist man unter anderem auf das Anlegen eines Bachlaufs, auf das Setzen von Wegeeinfassungen, auf Pflanzungen, Wegebeläge, eine Brücke und eine Terrasse. Auch Holzelemente bauen die Teilnehmer selbst. „Unser Beruf vereint viele Gewerke“, erklärt Lennard Weitzmann. „Wir arbeiten mit Stein, Wasser, Holz und Pflanzen.“ Und sein Firmenchef ergänzt: „Gerade der Holzbau liegt ihm besonders.“
Besonders anspruchsvoll ist, dass die Teams einen landestypischen, sprich chinesischen, Garten umsetzen müssen. Das deutsche Duo erhielt dafür ein Testprojekt mit typischen Gestaltungselementen und einer Vorlage, an die sie sich im Training hielten. Der Bundestrainer, Johannes Gaugel und Sachsen-Coach Georg Kahsnitz entwickelten die Entwürfe – etwa mit Bambus oder Fächerahorn als prägenden Bestandteilen. „Am Ende muss ein optisch überzeugendes Gesamtbild entstehen. Und es kommt sehr auf Kleinigkeiten an - Genauigkeit, Ebenheit der Flächen, die Nicht-Sichtbarkeit genutzter Hilfsmittel oder den Arbeitsschutz“, betonen Spalek und Weitzmann.
Zwei Übungsgärten auf dem Weg zur WM gestaltet
Während Standorte und Pflanzabstände im Wettbewerb weniger entscheidend sind, kommt es auf präzises handwerkliches Arbeiten, saubere Ausführung und die optische Wirkung der Anlage an. Am Montag standen für das Training zunächst nur ein breiter Holzrahmen als Eingang zu einer ebenen Sandfläche bereit. Es ist der zweite Übungsgarten, den die beiden am Rande eines Chemnitzer Gewerbegebietes gestaltet haben. Übung macht ja auch hier vielleicht den (Welt-)Meister.
Den endgültigen Plan erhalten die WM-Teilnehmer nach ihrer Akklimatisierung in Asien erst einen Tag vor dem Wettbewerb. Während der reinen Bauzeit dürfen sie mit niemandem über die Aufgabe sprechen. In den Pausen stehen ihnen jedoch ihre Experten zur Seite. Sogar Mentalcoaches und ein Presseteam begleiten die deutsche Mannschaft nach China.
Eine zentrale Rolle auf dem Weg zur Weltmeisterschaft spielt Johannes Gaugel, Bundestrainer aus Baden-Württemberg und der die anderen Gärten bewertende Gartenbau-Experte im Team Germany. Er entwickelt gemeinsam mit dem Trainerteam die Trainingsaufgaben und bereitete die jungen Sachsen auf die besonderen Anforderungen in Shanghai vor.
Trainer Gaugel und Kahsnitz bereiten das Duo vor
Auch Georg Kahsnitz, Sachsen-Trainer und Experte des Freistaats bei der Deutschen Meisterschaft, hat Marc Aurel Spalek und Lennard Weitzmann zunächst auf die Deutsche Meisterschaft vorbereitet. In Shanghai reist er als Gast mit. „Die beiden haben sich Schritt für Schritt entwickelt und viel investiert“, lautet die Einschätzung aus dem Trainerumfeld.
Rund 25 Unterstützer werden vor Ort dabei sein. Insgesamt gehen bei den Handwerksmeisterschaften knapp 40 deutsche Nachwuchskräfte in den verschiedenen Handwerksdisziplinen von Bäcker bis Klempner an den Start. Talente in 64 Berufen absolvieren die WM, aus Deutschland nehmen in 36 Berufsfeldern junge Menschen an dieser großen Meisterschaft teil. Neben den beiden Chemnitzer Landschaftsgärtnern gehören auch ein Bäcker aus Dresden und ein Heizungsbauer aus Oederan zum sächsischen Aufgebot.
Burkhardt Wiener, Chef des Chemnitzer Unternehmens mit 22 Mitarbeitern, erinnert sich an die Anfänge der beiden Nachwuchskräfte: „Beide sind über Praktika zu uns gekommen. Schon damals haben wir gemerkt, dass sie was draufhaben.“ Die Herkunft vom Dorf sei dabei durchaus ein Vorteil gewesen, meint Wiener: „Sie bringen eine Nähe zur Praxis und zur Natur mit.“
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Von Praktikum geht's zur Weltmeisterschaft
Nach positivem Feedback der Kollegen bot das Unternehmen beiden eine Ausbildung zum Landschaftsgärtner an. Beim Landeswettbewerb in Chemnitz wollten sie zunächst „einfach mal sehen, wie das ausgeht“, berichtet Wiener. Am Ende stand der Sieg bei der Sachsenmeisterschaft – und damit der Weg zur Deutschen Meisterschaft in Berlin im Britzer Garten.
Für die Vorbereitung auf die nationalen und internationalen Wettbewerbe wurden Spalek und Weitzmann immer wieder für Trainingseinheiten freigestellt. „Das ist eine Investition in unsere Firma“, sagt Burkhardt Wiener: „Wir investieren in Mitarbeiter und fördern Talente. Die beiden sammeln dort Erfahrungen, die sie sonst kaum machen würden. Wann gestaltet man schon einmal einen chinesischen Garten?“
Das Unternehmen bildet jährlich einen Lehrling aus und setzt außerdem auf einen Kooperativstudenten, der die Ausbildung zum Landschaftsgärtner mit einem Studium verbindet. Zudem engagiere man sich bei Berufsorientierungsaktionen, um den vielseitigen Beruf bekannter zu machen.
7000 Euro aus der „Schwatten Limo“-Aktion
Der finanzielle Rückhalt für das WM-Abenteuer kommt maßgeblich aus einer ungewöhnlichen Aktion des Branchenverbands. Axel Keul vom Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Sachsen erinnert daran, wie die Idee entstand: Bei einer früheren WM-Reise nach Tallinn sei deutlich geworden, dass andere Nationen teilweise besser vorbereitet gewesen seien. Daraus entstand der Wille, sächsische Talente gezielter zu unterstützen.
Große Freude bei den Teilnehmern der WM und Bundestrainer Gaugel herrschte über den unerwartet hohen Zuschuss des Gala-Bau-Verbandes Sachsen.
© Ingo Eckardt
Auf der Grünen Woche wurde schließlich die Idee für die „Schwatte Limo“ geboren – inspiriert von Fußballidol Ulf Kirsten, den man als Markenbotschafter am Stand von Menschel-Limonaden aus Größschönau traf. Aus Gurke und Zitrone entstand als Kooperation des Landesverbandes mit der kleinen Getränkefirma eine Limonade, die zunächst beim Sachsen-Cup zum Pillnitzer Gartentag verkauft wurde. Pro Flasche gingen 50 Cent auf ein Spendenkonto.
„Die Aktion lief hervorragend“, berichtet Verbandschef Axel Keul. Deshalb wurden später 10.000 Flaschen in der Oberlausitz produziert. Die Limonade ist inzwischen auch auf der Leitmesse der Branche als Gartenbauer-Limonade präsent. Auf diese Weise und durch die erwähnte Unterstützung des Freistaates kamen die 7000 Euro zusammen, die nun die WM-Vorbereitung von Marc-Aurel Spalek und Lennard Weitzmann unterstützen.
Nach Shanghai richtet sich der Blick bereits nach vorn: 2026 steht auch eine Europameisterschaft an, bei der sich dann neue talentierte Junghandwerker zeigen können. Zunächst aber gilt die volle Konzentration dem Wettkampf in China. Die beiden Chemnitzer wollen sich dort gegen die internationale Konkurrenz behaupten – und hoffen gemeinsam mit ihren Trainern, ihrem Betrieb und ihren Unterstützern auf das „Wunder von Shanghai“.
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