Der europäische Gaspreis hat am Montag die Marke von 95 Euro je Megawattstunde überschritten. Der an der ICE gehandelte TTF-Terminkontrakt für November kletterte im Tagesverlauf zeitweise sogar über 97 Euro. Damit verteuert sich der Einkauf kurz vor dem Winter weiter.
Deutschland hat zugleich deutlich weniger Gas eingelagert, als seine Speicher aufnehmen könnten. Nach den jüngsten veröffentlichten Daten des Branchenverbands Gas Infrastructure Europe (GIE) waren sie am 25. Oktober zu 61,48 Prozent gefüllt. Darin lagen rund 152 Terawattstunden Gas. EU-weit betrug der Füllstand 74,62 Prozent.
Deutschlands Gasspeicher bleiben hinter vielen Nachbarn zurück
Der Abstand ist erheblich: Frankreichs Speicher waren zum selben Zeitpunkt zu rund 87 Prozent gefüllt, Italiens zu 90 Prozent und Polens zu 99 Prozent. Auch die Niederlande lagen mit rund 65 Prozent über Deutschland.
Die Prozentwerte zeigen allerdings, wie stark die jeweilige Speicherkapazität ausgelastet ist. Sie sagen allein nicht, wie lange ein Land seinen Verbrauch daraus decken könnte. Dafür sind auch der Bedarf, laufende Importe und die verfügbare Infrastruktur entscheidend.
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MehrEin kleiner Zuwachs war zuletzt auch in Deutschland zu verzeichnen: Gegenüber dem Vortag stieg der Füllstand laut GIE um 0,18 Prozentpunkte. Die Speicher werden somit nicht überall bereits durchgehend geleert. Entscheidend wird sein, wie schnell die Vorräte bei länger anhaltender Kälte schrumpfen.
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Teures Gas trifft auf einen kleineren Puffer
Speicher gleichen Schwankungen zwischen Gasangebot und -verbrauch aus. Wenn Haushalte stärker heizen, können Versorger zusätzlich zu laufenden Lieferungen auf eingelagerte Mengen zurückgreifen. Je weniger dort liegt, desto kleiner fällt dieser Puffer aus.
Niedrige Füllstände bedeuten dennoch nicht automatisch eine Versorgungslücke. Die EU-Kommission verwies nach einer Sitzung der europäischen Gaskoordinierungsgruppe am 8. Oktober auf den Winterausblick des Netzbetreiberverbands ENTSOG. Demnach ist das europäische Gassystem trotz niedrigerer Vorräte flexibel genug, um den Bedarf im Winter zu decken.
Insbesondere die ausgebaute Infrastruktur für Flüssigerdgas könne höhere LNG-Importe aufnehmen und geringere Speichermengen ausgleichen. Zugleich betonte ENTSOG, dass ausreichende Vorräte auch gegen Ende des Winters wichtig bleiben: Eine späte Kältephase kann den Bedarf nochmals erhöhen.
Zusätzliche Importmöglichkeiten lösen allerdings nicht die Preisfrage. Gas kann verfügbar sein und trotzdem teuer werden. Der jüngste Sprung über 95 Euro zeigt, zu welchen Preisen Händler derzeit Lieferungen für November absichern.
Was der Preisanstieg für Gaskunden bedeutet
Der TTF-Kurs ist ein Großhandelspreis und kein Haushaltstarif. 95 Euro je Megawattstunde entsprechen rechnerisch 9,5 Cent je Kilowattstunde. Netzentgelte, Steuern und weitere Preisbestandteile einer Kundenrechnung sind darin noch nicht enthalten.
Eine höhere Börsennotierung führt deshalb nicht am selben Tag zu höheren Abschlägen. Versorger beschaffen Gas zu unterschiedlichen Zeitpunkten und über unterschiedliche Vertragslaufzeiten. Für Kunden kommt es darauf an, wann ihr Anbieter nachkaufen muss und welche Preisbindung vereinbart ist.
Für den Winter stehen damit zwei Fragen nebeneinander: Reichen laufende Lieferungen und Vorräte auch bei hohem Verbrauch? Und zu welchem Preis lässt sich zusätzlich benötigtes Gas beschaffen? Die europäische Infrastruktur bietet mehr Ausweichmöglichkeiten als zu Beginn der Energiekrise. Der steigende Börsenpreis zeigt aber, dass diese Absicherung teuer bleibt.
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