In der Berliner Gastronomie- und Kunstszene ist Kristiane Kegelmann längst ein geschätzter Name. Die Konditormeisterin versteht es, verschiedene Disziplinen miteinander zu verbinden. Nach ihrer Ausbildung und einigen Jahren im Patisserie-Handwerk wandte sie sich 2014 der freien Kunst zu, insbesondere der Bildhauerei und installativen Arbeiten. Ein Jahr später flossen diese künstlerischen Ideen in die pars Pralinen ein: handgefertigte, skulpturale Schokoladen, die eher an kleine essbare Kunstwerke als an gewöhnliches Konfekt erinnern.
2022 eröffnete Kegelmann in den Räumen des ehemaligen Café Savigny an der Grolmanstraße das Restaurant pars. Unter Küchenchef Florian Sperlhofer treffen dort präzise, zurückhaltende Gerichte auf österreichische Einflüsse und Zutaten kleiner Produzenten. 2025 wurde das Restaurant dafür mit seinem ersten Michelin-Stern ausgezeichnet.
Kristiane Kegelmann
Nun steht dennoch ein Abschied bevor: Am 20. Dezember wird im pars zum letzten Mal gekocht. Wie es danach weitergeht, weiß Kegelmann selbst noch nicht genau. Sicher ist nur, dass die Kunst wieder mehr Raum bekommen soll. „Ich werde mich sicherlich wieder meiner künstlerischen Praxis widmen“, sagt sie. Zugleich möchte sie ein neues Projekt entwickeln, das sich mit gesellschaftlichen Herausforderungen beschäftigt und einen Beitrag leistet. Was daraus entsteht, bleibt vorerst offen.
Frau Kegelmann, wo kaufen Sie am liebsten ein?
Lebensmittel kaufe ich vorwiegend auf dem Markt oder im Alnatura hier um die Ecke. Meine Kleidung ist zu 98 Prozent Second Hand und ich zerschneide auch gerne, was ich in gekaufter Form so nicht mehr trage. Auch meine Möbel habe ich gebraucht gekauft. Ich denke, am wichtigsten ist, dass man sich wohlfühlt. Sowohl in den Kleidern, die man trägt, als auch in dem Zuhause, in dem man lebt.
Wie würden Sie Ihren Einrichtungsstil beschreiben und wo halten Sie sich am liebsten in Ihrem Zuhause auf?
Mir geht es zuhause vor allem um das Wohlfühlen. Es gibt keine Designerstücke, es herrscht ein gemütliches Chaos und nichts glänzt, dafür fühlt man sich ganz warm. Mit ein wenig kompositorischem Verständnis, Gefühl für Materialität und vor allem für Licht braucht es sehr wenige Investments.
Ich liebe mein Bett, daneben hängt ein von mir mit Wolken bedruckter Seidenstoff, das warme Licht scheint morgens herein. Aber ich liebe auch mein Wohnzimmer (mehr Zimmer gibt es auch nicht), in dem ich das Zimmer meiner Tochter ganz lichtdurchlässig eingebaut habe. Abends leuchtet die Discokugel, sanftmütig in Bewegung durch die Bewegungen im Raum, Kerzen leuchten und mit der richtigen Musik lese ich am liebsten ein Buch auf meiner Couch, während meine Tochter auf ihrem Klettergerüst turnt.
Welches Buch hat Sie in letzter Zeit bewegt? Welches haben Sie zuletzt angefangen und wieder weggelegt? Was liegt ganz oben auf dem Lesestapel?
Gerade fertig gelesen habe ich „Sexuelle Revolution“ von Laurie Penny und „Enter Ghost“ von Isabella Hamad, beides große Empfehlungen. Mein Lesestapel ist riesig, die Zeit immer knapp: Von „The good immigrant“ edited by Nikesh Shukla, über „Der totale Rausch. Drogen im Dritten Reich“ von Norman Ohler zu „Wie wir uns Rassismus beibringen“ von Gilda Sahebi ist alles dabei.
Weggelegt habe ich zuletzt „As if“ von Isabel Waidner, doch eigentlich bevor ich sagen konnte, ob ich das Buch mag oder nicht. Manchmal ist einfach nicht der richtige Moment für ein Buch und man muss es später nochmals öffnen.
Welcher Film oder welche Serie hat Sie am meisten beeindruckt und warum?
Es gibt unzählige beeindruckende und tolle Filme. Derzeit ist auch dafür kaum Zeit, aber die letzten beiden Filme, die ich sah und beide auch empfehlen kann, waren „La Pointe Courte“ von Agnès Varda (France, 1955) und „Touki Bouki“ von Djibril Diop Mambéty (Senegal, 1973).
Wer ist Ihr Stilvorbild? Wonach gehen Sie beim Ankleiden morgens? Routine, Stimmung oder Plan? Wie entscheiden Sie, was Sie kombinieren?
Ein Stilvorbild habe ich nicht. Ich trage gerne angenehme Materialien. Ich kleide mich immer nach meiner Laune, vorbereiten lässt sich da nichts. Im Zweifel eine lockere Stoffhose und ein Shirt. Je nach Laune auch gerne mal Farben, mal expressiver, mal unscheinbarer, aber immer subjektiv nach Stimmung.
Sie sind bei Freunden eingeladen. Was bringen Sie als besonderes Gastgeschenk mit?
Puh, in Geschenken bin ich nicht so gut. Ungerne bringe ich banale Dinge mit, gerne etwas, was gemeinsam genossen werden kann, wie eine schöne Flasche Wein. Ich schreibe auch gerne kleine poetische Notizen an Menschen, die mir etwas bedeuten.
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Was steht auf Ihrem eigenen Wunschzettel ganz oben?
Gar nichts. Brauchen tue ich nichts, aber über eine gute Platte oder ein gutes Buch freue ich mich. Dafür muss man mich aber gut kennen.
Welche Ausstellung haben Sie zuletzt gesehen? Welches Kunstwerk oder welcher Künstler fasziniert Sie aktuell oder immer?
Mich interessieren sehr viele Künstler und ihre Arbeit. Vor einigen Wochen in Venedig habe ich eine schöne Ausstellung von Arthur Jafa und Richard Prince gesehen, die mir sehr gut gefallen hat.
Was hören Sie in der U-Bahn oder im Auto? Podcast oder Musik? Was genau?
Beides. Ich LIEBE Musik, um mit mir und meinen Gedanken und Gefühlen zu sein. Aber ich habe auch eine unendlich lange Podcast-Liste mit spannenden Produktionen, eigentlich vor allem politischer und/oder gesellschaftlicher Natur.
Was darf in Ihrer Beauty-Routine oder in Ihrem Kosmetiketui nicht fehlen?
Die Weleda Feuchtigkeitscreme und eine Zahnbürste.
Welche Reise war Ihre schönste und warum? Berge oder Meer? Hotel? Ferienwohnung? Camping?
Die letzten Jahre habe ich eher nur kurze Reisen gemacht, aber tendenziell liebe ich das Meer. Strandurlaub aber eher nicht. Ich würde wahrscheinlich je nach Reise ganz individuell entscheiden, wo ich nächtige. Ich denke, ich bin bescheiden genug, um vor allem dem Inhalt der Reise gerecht werden zu wollen, also zum Beispiel ist die Auseinandersetzung mit der Geschichte eines Landes für mich relevant und der damit gekoppelte respektvolle Umgang damit, anstelle der Wahl einer komfortablen Unterkunft. Aber ich liebe es natürlich auch, Freunde in Italien oder Frankreich zu besuchen und Natur, Licht, ein gutes Gespräch und leckeres Essen zu genießen.
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