Ein kriegsbeschädigtes Wohnhaus ist in der Nacht zum Mittwoch in Gaza-Stadt eingestürzt und hat mindestens 16 Menschen in den Tod gerissen. Unter den Opfern seien acht Kinder und fünf Frauen, sagte Zaher al-Wahidi, ein Sprecher des Gesundheitsministeriums im von der Hamas kontrollierten Gazastreifen, der Nachrichtenagentur AP. Mehr als 25 Menschen seien verletzt worden.
Die Zahl der Toten könnte noch steigen. Dutzende Bewohner wurden am Mittwoch unter den Trümmern vermisst. Einsatzkräfte suchten weiter nach Überlebenden.
Das mehrstöckige Haus war während des Krieges durch einen israelischen Luftangriff schwer beschädigt worden. Die unmittelbare Ursache des Einsturzes war zunächst unklar. Nach Angaben des palästinensischen Zivilschutzes war jedoch bekannt, dass das Gebäude nicht mehr sicher war.
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Familien wurden im Schlaf überrascht
In dem Haus lebten mehrere Familien, die während des Krieges aus anderen Teilen des Gazastreifens vertrieben worden waren. Das Gebäude stürzte ein, während die Bewohner schliefen.
„Der Mangel an Möglichkeiten und Alternativen ließ ihnen keine andere Wahl“, sagte der Rettungshelfer Aboud Majdalawi AP. Viele Familien im Gazastreifen stehen vor der Entscheidung, in überfüllten Zeltlagern oder in Gebäuden zu leben, die durch Bombardierungen beschädigt wurden.
Aufnahmen vom Unglücksort zeigten Rettungskräfte und Anwohner, die Betonplatten und Trümmer beiseiteräumten. Raed al-Dahshan, der Leiter des Zivilschutzes in Gaza-Stadt, sagte Reuters, unter den Trümmern seien weiterhin Stimmen zu hören. Deshalb bestehe noch Hoffnung, Menschen lebend zu bergen.
Das Trümmerfeld in Gaza-Stadt: Rettungskräfte suchen in dem eingestürzten Wohnhaus nach Verschütteten. Das Gebäude war bei einem früheren israelischen Angriff beschädigt worden.
© Majdi Fathi/imago
Retter graben mit bloßen Händen
An den Arbeiten beteiligten sich auch Mitarbeiter von UN-Organisationen und der ägyptischen Hilfsorganisation. Es fehle jedoch an Baggern, Kränen und anderem schweren Gerät, sagte Alessandro Mrakic, Leiter des Büros des UN-Entwicklungsprogramms im Gazastreifen. Einige Helfer müssten mit bloßen Händen graben.
Palästinensische Stellen und Vertreter der Vereinten Nationen führen den Mangel an Maschinen auf israelische Einfuhrbeschränkungen zurück. Israel erklärt, die Kontrollen sollten verhindern, dass Ausrüstung in die Hände bewaffneter Gruppen gelangt.
Der Zivilschutz geht davon aus, dass im Gazastreifen noch etwa 2000 beschädigte Gebäude von Familien bewohnt werden. Nach Angaben Mrakics gelten rund 400 Häuser als akut einsturzgefährdet. Mit Regen und stärkerem Wind im Winter dürfte die Gefahr weiter zunehmen.
61 Millionen Tonnen Trümmer im Gazastreifen
Nach Schätzungen der Vereinten Nationen liegen im Gazastreifen rund 61 Millionen Tonnen Trümmer. Ihre Beseitigung könnte sieben Jahre dauern. In den zerstörten Gebäuden werden weiterhin Tausende Tote vermutet.
Die von den USA vermittelte Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas gilt seit Oktober 2025 und hat die großflächigen Kämpfe weitgehend beendet. Israelische Angriffe dauern jedoch an. Beide Seiten werfen sich gegenseitig Verstöße gegen die Vereinbarung vor.
Helfer tragen im Viertel Tal al-Hawa in Gaza-Stadt einen aus den Trümmern geborgenen Leichnam.
© OMAR AL-QATTAA/AFP
Mit einem umfassenden Wiederaufbau wurde bislang nicht begonnen. Israel verlangt vor größeren Wiederaufbauarbeiten die Entwaffnung der Hamas. Für viele der rund zwei Millionen Einwohner bleibt deshalb nur die Wahl zwischen provisorischen Lagern und beschädigten Häusern. Der Einsturz in Gaza-Stadt zeigt, welche Gefahr auch lange nach den Angriffen von diesen Gebäuden ausgeht.
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