Nach der Sperrung des Hauptgebäudes der Technischen Universität (TU) Berlin hat der Bezirk Reinickendorf der Hochschule freie Flächen auf dem ehemaligen Telekom-Areal in Tegel als Ausweichquartier angeboten. Das teilte das Bezirksamt mit.
Vorgeschlagen werden Räume im sogenannten „TOP Tegel"-Businesscenter an der Wittestraße 30. Das frühere Telekom-Gebäudeensemble verfüge laut Bezirksamt über mehr als 12.000 Quadratmeter sofort nutzbare Büro- und Schulungsflächen. Hinzu kämen eine Anbindung an den Nahverkehr, Fahrradstellplätze sowie ein Parkhaus mit rund 1000 Stellplätzen. Der Eigentümer der Immobilie habe sich nach einer Anfrage des Bezirksamtes offen für eine solche Nutzung gezeigt.
TU-Hauptgebäude gesperrt: Sanierungsbedarf in Milliardenhöhe
„Berlin kann es sich nicht leisten, dass eine der bedeutendsten technischen Hochschulen Deutschlands dauerhaft im Krisenmodus arbeitet“, erklärte Bezirksbürgermeisterin Emine Demirbüken-Wegner (CDU). Die TU Berlin sei ein Motor für Innovation, Forschung und die Ausbildung von Fachkräften. Deshalb müsse jetzt pragmatisch gehandelt und schnell geeigneter Raum bereitgestellt werden.
Exzellente Bäume statt Bildung: Wie Berlin seinen wichtigsten Rohstoff verschleudert
Bröckelnde Exzellenz – der Sanierungsfall TU Berlin
Das Areal biete nach Einschätzung der Bezirksbürgermeisterin gute Voraussetzungen, um kurzfristig Seminare, Verwaltungseinheiten oder Forschungsbereiche unterzubringen. „Reinickendorf steht bereit, Verantwortung für den Wissenschaftsstandort Berlin zu übernehmen und konstruktiv an Lösungen mitzuwirken“, so Demirbüken-Wegner. Das Bezirksamt rief den Berliner Senat, die Hochschulleitung und die zuständigen Stellen auf, mögliche Interimslösungen zügig zu prüfen.
Hintergrund des Vorstoßes ist die Sperrung des TU-Hauptgebäudes seit dem neunten Mai wegen baulicher Mängel. Mehr als 350 Lehrveranstaltungen mussten nach Angaben aus dem Hochschulumfeld kurzfristig ins Digitale oder in Randzeiten verlegt werden. Nach eigenen Angaben der TU summiert sich der notwendige Sanierungsbedarf auf rund 2,4 Milliarden Euro. Von 102 Gebäuden der Universität sind nach den vorliegenden Angaben nur vier in gutem Zustand; elf Gebäude waren bereits zuvor komplett gesperrt.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]