Gebaute Bockigkeit

Andreas Krause Landt
1 Min

Es ist ein ansehnliches Panorama mit Reichstag und Kanzleramt, das man vom Balkon im vierten Stock der Akademie der Künste am Pariser Platz genießt: die angemessene Kulisse, um, wie gestern geschehen, eine Tagung über die Zukunft Berlins unter dem Motto "Reich an Aussichten" zu eröffnen. Wir wünschen uns aber auch Einsichten, etwa, dass unser bescheidener Reichtum nie wieder für so missratene Gebäude zum Fenster hinausgeworfen werde. An diesem Haus ist nämlich so viel Fenster, so viel Übergang und Ein- und Ausblick, dass der Lärm vom Foyer durch alle Etagen dringt. "Transparenz" heißt hier, dass die Störung zum guten Ton gehört. Überall eitle Nutzlosigkeit. Treppen, die einem beim Steigen nicht helfen sollen. Der Plenarsaal mit dem wie eine Trophäe aufgespießten Kopf des königlichen Gründers ist so zerfahren, dass man in den hinteren Reihen nicht weiß, ob man drinnen oder draußen sitzt. Lauter gebaute Bockigkeit. Wenn die Schildbürger beim Rathausbau die Fenster vergaßen, dann haben die Berliner glatt die Wände vergessen. "Berlin ist nicht Schilda", das wäre ein Anfang. Andreas Krause Landt

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