An diesem Freitag verkündet das Nobelkomitee in Oslo, wer den Friedensnobelpreis erhält. Spannend ist dabei weniger die Frage, wer gewinnt, als die Frage, wie Donald Trump reagiert, wenn er es wieder nicht ist.
In Norwegen weiß man, was auf dem Spiel steht: im besten Fall das verletzte Ego des mächtigsten Narzissten der Welt, im schlimmsten Fall Lachs-Zölle.
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Ehrung auf Vorschuss
Natürlich ist die Versuchung groß, über Trumps Sehnsucht nach der Medaille zu lachen. Nur: Wer lacht, sollte sich kurz an das Jahr 2009 erinnern. Damals ging der Preis an Barack Obama. Als die Nominierungsfrist ablief, war er zwölf Tage im Amt, bei der Bekanntgabe keine neun Monate.
Ausgezeichnet wurde der ehemalige US-Präsident für seine „außergewöhnlichen Bemühungen“ um die internationale Diplomatie. Gemeint waren vor allem Reden, eine Vision und das wohlige Gefühl, dass der Mann im Weißen Haus nicht mehr George W. Bush hieß.
Es war wohl der dreisteste Vorschuss in der Geschichte des Preises. Obama selbst schien das zu ahnen und erklärte in Oslo, er stehe erst am Anfang. Der damalige Sekretär des Komitees, Geir Lundestad, räumte Jahre später ein, dass der Preis nicht erreicht hatte, was man sich erhofft hatte. Übersetzt: Man hatte auf Kredit gekauft, und der Kredit platzte.
Trumps Erfolgsliste
Seitdem gilt ein neuer Maßstab: Gute Absichten reichen. Daran gemessen ist Trump geradezu überqualifiziert. Er hat nicht nur Absichten, er hat eine Erfolgsliste. Darauf stehen die Abraham Accords, die Annäherung zwischen Armenien und Aserbaidschan sowie Vereinbarungen oder zumindest Fototermine zwischen Indien und Pakistan, Thailand und Kambodscha, Serbien und Kosovo.
Trump zählt seine Friedensschlüsse ungefähr so, wie er einst die Besucher seiner Amtseinführung gezählt hat: großzügig, aber nicht völlig frei erfunden. Indien bestreitet zwar, dass er überhaupt vermittelt hat. In Südostasien wurde nach der Waffenruhe wieder geschossen. Und zwischen Belgrad und Pristina herrscht weiterhin Eiszeit.
Aber das sind Details. Obama hatte keine Details, er hatte gar nichts.
Fürsprecher mit Geschmäckle
Auch an Unterstützern fehlt es nicht. Benjamin Netanjahu, Kambodschas Premier Hun Manet und Pakistans Führung haben nach eigenen Angaben Trump nominiert. Das ist eine Unterstützergruppe, die man im Lebenslauf vielleicht nicht ganz oben aufführen würde.
Ein Nobelpreis liegt ohnehin schon im Weißen Haus: María Corina Machado, die venezolanische Oppositionsführerin und Preisträgerin des vergangenen Jahres, hat ihm im Januar ihre Medaille überreicht. Das Nobelkomitee stellte daraufhin klar, dass der Preis an die ausgezeichnete Person gebunden bleibt. Trump muss ihn sich also leider weiterhin selbst verdienen.
Der Haken heißt Iran
Bleibt der Elefant im Raum, oder genauer: der Bomber. Der Iran-Krieg ist das gewichtigste Argument gegen Trump. Kriege beenden zu wollen, indem man selbst einen beginnt, könnte der Krönung in Oslo im Wege stehen.
Allerdings lohnt auch hier ein Blick auf Barack Obama. Schon drei Tage nach seiner Amtseinführung ließ er in Pakistan Drohnen angreifen. Berichten zufolge starben dabei mindestens neun Zivilisten. Bis zum Ende seiner Amtszeit wurden daraus Hunderte Angriffe in Pakistan, im Jemen und in Somalia, mit Hunderten weiteren toten Zivilisten.
Das Nobelkomitee hat das nie sonderlich gestört. Daher kann man beim Iran auch für Trump ein Auge zudrücken.
Ausgerechnet der US-Papst
Ein anderes Problem für Trump ist die Konkurrenz. Als Favoriten gelten die Emergency Response Rooms im Sudan, freiwillige Helfer, die mitten im Bürgerkrieg Essen und medizinische Versorgung organisieren. Ebenfalls hoch gehandelt wird der Ukrainer Mykola Kuleba, der verschleppte Kinder zu ihren Familien zurückholt, zusammen mit Save the Children.
Als Außenseiter wird zudem ausgerechnet Papst Leo XIV. genannt. Gegen ihn hat Trump schon beim Konklave verloren, obwohl er sich per KI-Bild selbst in Weiß beworben hatte. Inzwischen hat Trump den Papst auch noch dafür kritisiert, dass dieser im Iran-Konflikt Dialog statt Gewalt anmahnte. Ebenfalls Außenseiter ist Kanadas Premier Mark Carney, Regierungschef jenes Landes, das Trump gern zum 51. Bundesstaat machen würde.
Betrachtet man nur die beiden Letztgenannten, ist es schwer zu sagen, wessen Sieg Trump mehr erzürnen würde.
Der Preis als Friedensmaßnahme
Soll man Trump also den Preis geben? Verdient hat er ihn nicht. Aber das Komitee hat 2009 selbst entschieden, dass Verdienst keine Voraussetzung ist.
Vielleicht gibt es zudem ein letztes, unschlagbares Argument: Der Preis wäre selbst eine Friedensmaßnahme. Bekommt Trump ihn, endet wenigstens ein Konflikt mit Sicherheit, nämlich sein Krieg gegen Oslo. Auch das wäre mehr, als Obama 2009 vorweisen konnte.
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