Eingezäunt

Gefangen im Paradies: Ein Zaun hält Segler seit 163 Tagen auf Karibikinsel fest

Carriacou (Grenada): Seit April blockiert ein Zaun in der Tyrell Bay Marina rund acht Segelboote. Grund ist ein Landstreit – die Eigner sitzen fest.

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Ankerplatz in der Tyrell Bay auf Carriacou: Die Boote im Wasser können jederzeit los, für die an Land gilt das seit April nicht

Ankerplatz in der Tyrell Bay auf Carriacou: Die Boote im Wasser können jederzeit los, für die an Land gilt das seit April nicht

© Imago

Lou Le Sommer sieht das Karibische Meer jeden Tag. Hinein kommt sie nicht. Seit mehr als fünf Monaten steht ihr rosa Segelboot auf der Insel Carriacou an Land, eingesperrt hinter einem Zaun.

Carriacou gehört zum Inselstaat Grenada, die Seglerin stammt aus Sète in Südfrankreich. Zuerst hat die Zeitung Midi Libre über den Fall berichtet. Le Sommer ist nicht allein: Rund zehn Menschen mit etwa acht Booten sitzen mit ihr fest, schreibt das Portal NOW Grenada.

Tyrell Bay Marina: Zaun trennt Kran und Rampe

Mitte April ließ Le Sommer ihre „Malumau“ in der Tyrell Bay Marina aus dem Wasser heben, einen rosa Einrumpfer von gut zehn Metern. Nach ein paar Tagen Wartung sollte es zurück ins Wasser.

Am Wochenende um den 25. April wurde dann ein Zaun quer über das Werftgelände gezogen. Nach Schilderung der Bootseigner geschah das ohne Vorwarnung.

Seitdem steht der Travellift, ein fahrbarer Bootskran, auf der einen Seite. Die Rampe ins Wasser liegt auf der anderen. So schildert es ein ebenfalls festsitzendes französisches Paar im Segler-Magazin Noforeignland.

Ein Segelkanal auf Youtube nennt die Absperrung schlicht einen Hühnerzaun. Wer da an Regina Zindler und den „Maschendrahtzaun“ denkt, liegt nicht ganz falsch. Nur geht es auf Carriacou nicht um einen Knallerbsenstrauch, sondern um 2,8 Hektar Mangrovenland.

Landstreit um die Marina seit 2013

2013 erlaubte die Regierung Grenadas dem Marina-Entwickler Carriacou Devcor, das Nachbargrundstück zu pachten. Die Erben eines Mannes namens Samuel Corion hielten das Land jedoch für ihres.

Die Gerichte gaben der Familie recht. Im Januar 2023 wies das Privy Council in London, die höchste Berufungsinstanz für Grenada, die letzte Berufung des Entwicklers ab, wie das Urteil zeigt. Fragen zum Besitz liegen laut dem Karibik-Magazin All At Sea aber weiter beim High Court.

Den Zaun ließ nach Angaben von NOW Grenada die Corion-Erbengemeinschaft bauen. Ein Eilantrag der Marina dagegen scheiterte. Ob der Zaun genehmigt ist, bleibt unklar. Die Planungsbehörde sah ihn sich im Juni an, unternommen hat sie bislang nichts.

Familie Corion sieht die Segler vorgewarnt

Die Familie weist den Vorwurf zurück, sie habe die Boote überraschend eingesperrt. Die Eigner seien vorab informiert gewesen, berichtet die Grenada Chronicle.

Die Bootsbesitzer widersprechen in einem Leserbrief an das Magazin Caribbean Compass. Sie wollen nach eigenen Worten nur ablegen, mit dem Streit hätten sie nichts zu tun.

Job auf Martinique geplatzt

Le Sommer hätte vor dem 1. Juni eine Stelle auf Martinique antreten sollen. Daraus wurde nichts, eine zweite Arbeit platzte ebenfalls, berichtet das Portal. Den Schaden aller Boote beziffern die Eigner auf mehr als 85.000 US-Dollar.

Für fast alle sei das Boot ihr Zuhause, sie seien auf Carriacou praktisch „eingesperrt“. Hinter dem Zaun leben Menschen, einer davon mit gesundheitlichen Problemen. Rettungswagen kommen laut Marina nicht durch.

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Hurrikansaison läuft bis Ende November

Dabei wäre das Problem in zwei Tagen gelöst. So lange bräuchte die Marina nach eigenen Angaben, um alle Boote ins Wasser zu heben. Nötig wäre nur eine vorübergehende Lücke im Zaun.

Eine Online-Petition fordert genau das. Die Zeit drängt, denn die Hurrikansaison im Atlantik dauert noch bis Ende November. Carriacou weiß, was das heißt: 2024 verwüstete Hurrikan Beryl die Insel.

Unter dem Midi-Libre-Artikel hält sich das Mitleid trotzdem in Grenzen. Für ein paar Tage auf den Grenadinen würden andere viel Geld zahlen, schreibt ein Leser. Lou Le Sommer würde ihm ihren Platz vermutlich sofort überlassen.

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