TEL AVIV, 10. Oktober. Jetzt sind sie also doch gefahren. Am Mittwochmorgen trafen sich die Basketballer von Alba Berlin an Gate 13 des Flughafens Berlin-Tegel, um sich auf die Reise nach Tel Aviv zu machen. Einige Spieler hatten sich beeilen müssen, um pünktlich einzuchecken, das verrieten ihre Haare, die noch klitschnass von Wasser und Gel waren. Da saßen sie nun in den Drahtstühlen des Warteraums, lasen Zeitung, guckten sich auf die Schuhspitzen oder gähnten große Löcher in die Luft. Die Basketballer hatten wenig Lust, etwas zu erzählen, es herrschte auffällige Stille. Wendell Alexis, Albas Forward, mochte überhaupt nichts sagen, er wehrte die Journalisten mit ausgestrecktem Arm und einem müden "No comment" ab."Schwimme mit dem Strom"Ein wenig gesprächiger war da schon Alexis amerikanischer Landsmann Derrick Phelps. "Go with the flow" - schwimme mit dem Strom - antwortete er auf die Frage, warum er die Reise zum Europaligaspiel gegen Maccabi Tel Aviv angetreten habe. Phelps hatte sich aus Sicherheitsbedenken für eine Absage der Partie ausgesprochen, und mit seinen Bedenken war er auch nicht allein. "Ein Großteil des Teams ist gegen die Fahrt gewesen", sagt Flügelspieler Jörg Lütcke, der gemeinsam mit Henrik Rödl und Wendell Alexis dem Mannschaftsrat angehört.Trotz des klaren Votums der Spieler beschloss der Vereinsvorstand von Alba Berlin am Dienstagabend, nach Tel Aviv zu fliegen. Vizepräsident Marco Baldi hatte in den vergangenen Tagen stets betont, man werde "gemeinsam eine Entscheidung finden". Diese Formulierung könne so nicht aufrechterhalten werden, sagte indessen Spielmacher Mithat Demirel: "Die Mannschaft hat sich der Präsidiumsentscheidung angepasst." Baldi wollte am Mittwoch keine Stellungnahme mehr zum offenbar umstrittenen Entscheidungsfindungsprozess abgeben. Er sagte nur: "Das Thema gibt nicht viel her, wir müssen uns jetzt wieder auf den Sport konzentrieren."Auch Alexis dabeiDer Teamkapitän Henrik Rödl respektiert den Beschluss der Vereinsführung. "Es ist alles korrekt verlaufen", sagte Rödl, "das Präsidium trägt die Verantwortung für den Klub und musste zu einem Urteil kommen." Trotz großen Unbehagens angesichts eines möglichen Anschlagsrisikos ist die Akzeptanz der Präsidiumsentscheidung in der Mannschaft groß. Alle nominierten Spieler flogen mit zum Europaligaspiel gegen Maccabi (Donnerstag, 21 Uhr) - auch Wendell Alexis, der laut Kapitän Rödl "kurz vor einer Absage stand".Wendell Alexis ist von den Folgen des Terroranschlages am 11. September persönlich betroffen. Er hat seine Schwägerin verloren, die zum Zeitpunkt des Attentats im World Trade Center gearbeitet hatte. Dass Alexis trotz des tragischen Unglücks in der Familie seine Mannschaft in Tel Aviv unterstützen wird, wertet Kapitän Henrik Rödl als Zeichen für die innere Stärke des Vereins. "Ich habe größten Respekt vor Wendell", sagt der 33 Jahre alte Forward. "Er ist hier in Tel Aviv mit dabei, und dies beweist doch, dass Vertrauen im Verein herrscht." So einen Spieler wie Wendell Alexis, der in den vergangenen Jahren immer Albas fleißigster Punktesammler war, benötigen die Berliner Basketballspieler am Donnerstag auch dringend. Maccabi Tel Aviv, der 41-malige israelische Meister, stellt nämlich derzeit die beste Mannschaft außerhalb der USA - und ist großer Favorit auf den Titel der Europaliga.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]