Korruption, so war die vorherrschende Meinung in Deutschland bis vor wenigen Monaten, ist in erster Linie ein Problem der Dritten Welt. Schließlich scheint es einleuchtend, wenn in Ländern, in denen wichtige Amtsträger so wenig Gehalt beziehen, dass sie davon nicht ihre Familie ernähren können, Bestechung zum Alltag gehört. Spätestens die Aufdeckung des Korruptionsskandals bei Siemens öffnete vielen schlagartig die Augen: Korrupt ist eben nicht nur der Beamte oder Angestellte in Afrika, Asien oder Südamerika, der Bestechungsgelder entgegen nimmt, sondern auch derjenige, der sie zahlt, um dadurch einen Vorteil zu erlangen. Und hier haben etliche - wohl auch hochrangige - Manager beim deutschen Vorzeigekonzern Siemens eine unrühmliche Rolle gespielt.Doch immerhin hatte der Fall Siemens auch eine positive Seite: Der Antikorruptionsorganisation Transparency International zufolge gibt es seitdem Hinweise auf einen Stimmungswandel bei deutschen Unternehmen: Immer mehr Firmen würden sich des Risikos bewusst, entdeckt zu werden, und packten intern nun das Thema Korruption ernsthaft an. Aus dieser Beobachtung lässt sich aber auch schlussfolgern: Aus Deutschlands Konzernlenkern sind nun nicht schlagartig moralische Vorbilder geworden. Das einzige, was sie beim Kampf gegen Korruption antreibt, ist die Angst, erwischt zu werden. Man kann deshalb die Forderung von Transparency nur unterstützen, Wirtschaftskriminalität künftig härter als bislang zu verfolgen. Nur das wird den begrüßenswerten Stimmungswandel bei den Konzernen weiter vorantreiben.
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