Handelspolitik

Gegen Marktöffnung: US-Industrie warnt Trump vor chinesischen Autos

Chinas Autoexporte steigen, der Heimatmarkt schwächelt. In Washington formiert sich Widerstand gegen Fahrzeuge und vernetzte Systeme aus China.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
4 Min
Ein BYD Ocean-V-Konzeptfahrzeug auf der Automesse in Peking. Chinesische Hersteller wie BYD drängen mit neuen Modellen stärker auf Auslandsmärkte.

Ein BYD Ocean-V-Konzeptfahrzeug auf der Automesse in Peking. Chinesische Hersteller wie BYD drängen mit neuen Modellen stärker auf Auslandsmärkte.

© Anna Ratkoglo/imago

Die US-Autoindustrie, Gewerkschaften, Stahlhersteller und Abgeordnete beider Parteien haben US-Präsident Donald Trump kurz vor dessen Treffen mit Chinas Staatschef Xi Jinping aufgefordert, chinesische Autohersteller nicht auf den US-Markt zu lassen. Das berichtete die Nachrichtenagentur Reuters am Montag.

Auslöser der Appelle ist laut Reuters eine Äußerung Trumps vor dem Wirtschaftsclub von Detroit im Januar. Dort sagte er, es wäre „großartig“, wenn chinesische Hersteller Werke in den USA bauen und Amerikaner beschäftigen würden. Die Branche hatte zuvor bei mehreren Regierungen für strenge Datenschutzregeln und hohe Zölle auf Elektroautos aus China geworben, um chinesische Modelle vom US-Markt fernzuhalten.

Trump soll Xi am 14. und 15. Mai in Peking treffen. Bei den Gesprächen geht es nach Reuters um Handel, die Taiwan-Frage, den Irankrieg, Atomwaffen und Künstliche Intelligenz. Auch eine Verlängerung der Vereinbarung über seltene Erden und mögliche chinesische Käufe von Boeing-Flugzeugen und Agrargütern aus den USA stehen auf der Agenda.

Gesetzentwurf gegen vernetzte Fahrzeuge aus China

Die demokratische Senatorin Elissa Slotkin aus Michigan bat Trump nach Reuters-Angaben, mit Xi keine Vereinbarung zu treffen, die chinesische Investitionen im US-Autosektor und damit Fahrzeuge chinesischer Marken in US-Autohäusern erlauben würde.

Gemeinsam mit dem republikanischen Senator Bernie Moreno aus Ohio legte sie den Gesetzentwurf zur Sicherheit vernetzter Fahrzeuge („Connected Vehicle Security Act of 2026“) vor. Er soll Einfuhr, Verkauf und Betrieb von Fahrzeugen verbieten, die in China oder anderen als Risiko eingestuften Ländern produziert werden. Auch chinesische Software und Datensysteme in vernetzten Fahrzeugen auf US-Straßen sollen untersagt werden.

Im Repräsentantenhaus gibt es einen ähnlichen Entwurf, der noch weiter geht. 74 Demokraten und 52 Republikaner aus dem Repräsentantenhaus unterzeichneten Reuters zufolge zudem Briefe an Trump gegen einen Marktzugang chinesischer Hersteller.

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Der Branchenverband „Alliance for Automotive Innovation“, der Autohersteller in den USA vertritt, hat den Vorstoß von Moreno und Slotkin bereits am 29. April unterstützt. Verbandschef John Bozzella erklärte, China wolle die weltweite Auto- und Batterieproduktion dominieren. Dies gefährde die US-Wirtschaft und die nationale Sicherheit. Chinesische Hersteller würden mit Billigfahrzeugen weltweit Märkte überschwemmen.

Der Vorsitzende der US-Automobilgewerkschaft UAW, Shawn Fain, erklärte, die US-Autoindustrie dürfe nicht weiter ausgelagert werden. Am 30. April wandten sich laut Reuters auch Stahlverbände mit einem Brief an die Regierung.

Regierung dementiert, Branche bleibt skeptisch

US-Handelsbeauftragter Jamieson Greer sagte laut Reuters im April, Autos stünden beim Gipfel in Peking nicht auf der Tagesordnung. Auch Handelsminister Howard Lutnick habe chinesische Investitionen im US-Autosektor ausgeschlossen.

Scott Paul von der Alliance for American Manufacturing, die sich für die Interessen der US-Fertigungsindustrie einsetzt, warnte Reuters zufolge, Trump könne eine Öffnung für chinesische Hersteller auch ohne Kongressbeschluss ermöglichen.

Schwacher Heimatmarkt, starker Export

Der chinesische Automarkt liefert der US-Branche zusätzlichen Anlass für ihre Warnungen. Nach Daten des chinesischen Branchenverbands China Passenger Car Association (CPCA), die das Wall Street Journal am Montag meldete, fielen die Pkw-Verkäufe in China im April den siebten Monat in Folge, um 21,6 Prozent auf 1,4 Millionen Fahrzeuge.

Die Gesamtausfuhren von Pkw legten im April gegenüber dem Vorjahresmonat um 80,2 Prozent zu, die Ausfuhren von Elektroautos und Plug-in-Hybriden um 111,8 Prozent. Laut Wall Street Journal exportierte China im April erstmals mehr Elektro- und Plug-in-Fahrzeuge als Autos mit Verbrennungsmotor.

CPCA-Generalsekretär Cui Dongshu sagte Reuters, Autos mit Verbrennungsmotor hätten sich wegen hoher Ölpreise schlechter verkauft als erwartet. Zugleich sei die Nachfrage nach Plug-in-Hybriden schwach gewesen.

US-Branche will Chinas Marktanteil klein halten

Die US-Branche will laut Reuters verhindern, dass chinesische Hersteller in den USA ähnlich stark zulegen wie zuvor in Europa und Mexiko. In der EU habe sich der Marktanteil chinesischer Marken im Vorjahr auf sechs Prozent verdoppelt. Kanada importiere jährlich rund 49.000 Elektroautos aus China, in Mexiko seien 34 chinesische Marken mit etwa 15 Prozent Marktanteil vertreten.

Geelys EX2 koste in Mexiko rund 22.700 US-Dollar, während das günstigste Tesla Model 3 in den USA 38.630 US-Dollar koste. David Christ von Toyota Motor North America, der Nordamerika-Tochter des japanischen Autobauers Toyota, sagte gegenüber Reuters, auch Toyota habe in Mexiko Probleme mit den chinesischen Preisen. Ohne staatliche Unterstützung seien diese Preise nicht zu erklären.

Der Handelskonflikt zwischen Washington und Peking wird seit Jahren von gegenseitigen Strafmaßnahmen, Vorwürfen unfairer Handelspraktiken und Streit über industrielle Überkapazitäten geprägt. Beide Seiten koppeln wirtschaftliche Fragen dabei immer stärker an strategische und geopolitische Interessen.

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