Ukrainische Drohnenhersteller bemühen sich nach einem am Freitag veröffentlichten Bericht der Nachrichtenagentur Reuters verstärkt um Produktionspartner in Japan, um den steigenden Rüstungsbedarf mit den USA verbündeter Staaten in Asien zu bedienen. Reuters beruft sich dabei auf Gespräche mit rund 20 Personen aus der Rüstungsindustrie sowie aus ukrainischen und japanischen Regierungskreisen. Im Mittelpunkt stehen die ukrainischen Firmen UFORCE, Skyeton und General Cherry.
UFORCE-Chef Oleg Rogynskyy reiste laut Reuters im April nach Tokio und schlug japanischen Vertretern vor, dort tausende Drohnen seines Unternehmens für die Streitkräfte Japans und seiner Verbündeten zu fertigen. Wenige Tage zuvor hatten US-Truppen bei einer Übung vor der philippinischen Insel Itbayat, rund 160 Kilometer südlich von Taiwan, mit Wasserdrohnen von UFORCE ein Schiff versenkt.
Die maritime Lage in Ostasien sei zwar anders als im Schwarzen Meer, „die Einsatzmöglichkeit ist aber sehr ähnlich“, sagte Rogynskyy gegenüber Reuters. Sein Unternehmen stellt unter anderem die Überwasser-Kamikaze-Drohne Magura her, die im Krieg gegen Russland eingesetzt wird.
Japan baut Drohnenproduktion massiv aus
Japan hat seit 2022 seine Verteidigungsausgaben deutlich erhöht und in diesem Jahr lange geltende Beschränkungen für Rüstungsexporte gelockert. Im laufenden Verteidigungsetat sind nach Angaben von Reuters umgerechnet knapp zwei Milliarden US-Dollar für Drohnensysteme vorgesehen. Tokio plant, die jährliche Drohnenproduktion bis zum Ende des Jahrzehnts auf 80.000 Stück zu steigern. 2024 wurden laut UAV, dem japanischen Branchenverband der Drohnenhersteller, rund 1000 Drohnen gebaut. Die Ukraine strebt nach eigenen Angaben in diesem Jahr eine Produktion von sieben Millionen Drohnen an.
Ein Sprecher des japanischen Verteidigungsministeriums wollte sich gegenüber Reuters nicht zu konkreten Kontakten mit ukrainischen Firmen äußern. Tokio prüfe „alle Möglichkeiten“, um Ausrüstung für die „neue Art der Kriegführung“ zu beschaffen. Der frühere japanische Verteidigungsminister Itsunori Onodera, weiterhin einflussreicher Abgeordneter, begrüßte die ukrainischen Vorstöße. Japan brauche Gerät, „das tatsächlich seine Wirksamkeit zeigt“, sagte er Reuters.
General-Cherry-Mitgründer Stanislaw Gryschyn, dessen Firma auf Kamikaze-Drohnen spezialisiert ist, bezeichnete Japan laut Reuters als „besten Weg auf den asiatischen Markt“. Der Hersteller von Aufklärungsdrohnen Skyeton verweist darauf, dass seine Systeme mit gr0ßer Reichweite zur Überwachung der mehr als 14.000 japanischen Inseln geeignet seien.
Die ukrainische Softwarefirma Swarmer hat nach Angaben ihres Präsidenten Alex Fink Ende April einer japanischen Militäreinheit vorgeführt, wie mithilfe von KI ein Drohnenschwarm koordiniert werden kann. Vermittelt hatte den Test laut Reuters der japanische E-Commerce-Konzern Rakuten, dessen Gründer Hiroshi Mikitani als prominenter Unterstützer der Ukraine gilt.
Japanische Beteiligungen führen zu Protest aus Moskau
Bereits Ende April hatte das in Tokio ansässige Unternehmen Terra Drone laut einem Bericht des Kyiv Independent eine strategische Partnerschaft mit der ukrainischen Firma WinnyLab LLC angekündigt, um die Langstrecken-Abfangdrohne Terra A2 in größerem Umfang zu fertigen. Terra-Drone-Chef Toru Tokushige sagte dem Bericht zufolge, die Lockerung der japanischen Exportbeschränkungen dürfte die gemeinsamen Projekte mit der Ukraine beschleunigen. Sein Unternehmen habe die Vorhaben bislang über eine niederländische Tochtergesellschaft abwickeln müssen.
Das russische Außenministerium hatte bereits am 8. April nach einer ersten Terra-Drone-Investition in ukrainische Abfangdrohnentechnik den japanischen Botschafter einbestellt. Moskau protestierte gegen eine Beteiligung des Unternehmens an der Entwicklung ukrainischer Abfangdrohnen. Die bilateralen Beziehungen seien nach Darstellung des Kremls wegen Tokios „unfreundlicher Haltung“ gegenüber Moskau auf null gesunken.
Taiwan und Philippinen als weitere Märkte
Parallel dazu sondieren ukrainische Firmen laut Reuters Geschäfte in Taiwan, obwohl Kiew keine diplomatischen Beziehungen zu der Insel unterhält. Der ukrainische Branchenverband IRON brachte im Mai nach Angaben seines Geschäftsführers Wolodymyr Tscherniuk eine Delegation mit Vertretern von rund einem Dutzend Mitgliedsfirmen in das taiwanische Industriezentrum Taichung. Hauptziel sei die Suche nach Zulieferern für Kameras, Mikroelektronik und andere Bauteile gewesen, um die Abhängigkeit von China zu verringern.
Taiwan wird seit 1949 unabhängig von der Volksrepublik China regiert. Der Inselstaat wird international nur von wenigen Staaten diplomatisch anerkannt, obwohl er über eigene demokratische Institutionen und Streitkräfte verfügt. Der politische Status Taiwans ist einer der zentralen Konfliktpunkte im Verhältnis zwischen Peking, Taipeh und Washington.
Laut der ukrainischen Botschafterin in Manila, Julia Fediw, finden auch mit den Philippinen, die in maritime Konflikte mit China verwickelt sind, Gespräche über eine Zusammenarbeit statt. Zwei ukrainische Branchenvertreter sagten gegenüber Reuters, dass etwaige Drohnen für Manila voraussichtlich in Japan gefertigt würden. Ein Sprecher des US-Pazifikkommandos bestätigte Treffen mit ukrainischen Drohnenherstellern, um Erfahrungen aus dem Schwarzen Meer auf den Indo-Pazifik zu übertragen.
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