Gegenaktionen angekündigt

Neonazis planen neuen Aufmarsch in Halbe

Jürgen Schwenkenbecher
2 Min

HALBE. Neonazis aus ganz Deutschland wollen es jetzt wissen: Nur vier Wochen nach der Verabschiedung des Brandenbur-ger Gedenkstättengesetzes, das Gedenkstätten und Friedhöfe vor extremistischen Kundgebungen schützen soll, suchen sie in Halbe (Dahme-Spreewald) die Kraftprobe. Zu der Neonazi-Demonstration am 18. Juni durch das Dorf, das durch seinen großen Soldatenfriedhof bekannt ist, erwartet der Hamburger Neonazi-Führer Christian Worch 200 Teilnehmer. Auch die NPD, mit der Worch im Streit liegt, ruft zur Teilnahme auf.Halbe, wo 1945 eine der blutigsten Kesselschlachten des Zweiten Weltkrieges tobte, wurde anlässlich des Volkstrauertages in den letzten Jahren im November immer stärker zum Wallfahrtsort der rechtsextremen Szene. Vor einem halben Jahr versammelten sich am Friedhof von Halbe 1 600 Neonazis - so viel wie noch nie. Erstmals will Worch dort nun auch zu einem anderen Termin aufmarschieren. Motto: "Ruhm und Ehre den deutschen Frontsoldaten und Opfern kommunistischer Gewaltherrschaft". Erklärte Absicht des Landtages war es, mit dem neuen Gesetz solche Aufzüge zu verhindern und Halbe aus den Negativ-Schlagzeilen zu bringen.Ein polizeiliches Verbot der Demonstration am 18. Juni sei aber - weil auch mit dem neuen Gesetz nicht durchsetzbar - nicht vorgesehen, wie Peter Salender vom Polizeipräsidium Frankfurt (Oder) am Donnerstag sagte. Lediglich die Route, die vom Bahnhof zum Friedhofsvorplatz führen sollte, werde geändert. "Die Demonstranten werden nicht bis zum Friedhof kommen", sagte Salender. So könne die Gräberstätte nicht mehr eingesehen werden - und der Reiz solcher Veranstaltungen ginge verloren.Seit einigen Monaten organisiert ein regionales Aktionsbündnis den Widerstand gegen Neonazi-Aufmärsche in Halbe. Am 18. Juni ist die erste Bewährungsprobe. 1 000 Teilnehmer erwartet der ungewöhnliche Zusammenschluss, der von der KPD bis zur CDU reicht, zu seiner Gegenkundgebung. Anne Böttcher, SPD-Kreistagsabgeordnete, erhofft sich einen ähnlichen Erfolg wie am 8. Mai in Berlin - dort ließen Tausende einen lange geplanten NPD-Aufmarsch scheitern.

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