ISTANBUL. Der Gouverneur von Igdir, der Provinzstadt am Fuß des Ararat, hat den Berg bis auf weiteres zur militärischen Sperrzone erklärt. Das türkische Militär und die Gendarmerie, die in Dörfern und Kleinstädten die Polizeiaufgaben wahrnimmt, sind auf der Jagd nach den Entführern. In diesem Teil des Landes braucht es dafür keine extra Mobilmachung. So gut wie jeden zweiten Tag finden Zusammenstöße zwischen dem Militär und der PKK statt. Erst gestern wurden in Hakkari, an der Grenze zum Irak, acht türkische Soldaten und ein Dorfschützer durch Landminen der PKK verletzt.Ganz ausgeschlossen ist, dass die Türkei den Forderungen der Entführer nachgibt und die Einsätze ihres Militärs gegen die kurdischen Rebellen stoppt. "Mit Terroristen gibt es kein Verhandeln", ist die Leitlinie aller türkischen Politik. Davon wurde bisher auch dann nicht abgewichen, wenn größere Gruppen türkischer Soldaten in die Hände der PKK gefallen waren. Im Gegenteil: Wer unversehrt aus den Fängen der PKK zurückkam oder bei der Freilassung von Geiseln half, landet nicht selten wegen Landesverrats vor dem Kadi. So geschah es 2007 mehreren Abgeordneten der prokurdischen DTP, die nach Verhandlungen mit der PKK türkische Wehrpflichtige losgeeist hatten.Auch die Führung der PKK weiß, dass sich kein türkischer Politiker auf Verhandlungen mit ihr einlassen kann, schon gar nicht die Regierung Erdogan - sie steht derzeit innenpolitisch stark unter Druck. Verhandlungen wären aber für jede Regierung kontraproduktiv. Die Türkei hat die PKK außenpolitisch nahezu vollkommen isoliert, und erst gestern hat Erdogan mit dem irakischen Ministerpräsidenten Nuri Al Maliki in Bagdad eine "strategische Zusammenarbeit" gegen die PKK vereinbart.Ganz besonders achten die Türken darauf, dass niemand sonst die PKK als Gesprächspartner akzeptiert. Die weiterverbreitete Amerika-Skepsis der türkischen Gesellschaft speist sich zu einem guten Teil daraus, dass die Presse die USA immer wieder beschuldigt hat, heimlich mit der PKK zu verhandeln. Die Meldung, die Bundesregierung suche Kontakt zur PKK-Führung, wurde aufmerksam notiert. Ein Rätsel bleibt, warum die Bergsteiger die Tour auf den Ararat in Angriff nahmen. Die deutsche Botschaft in Ankara hatte bereits vor Wochen vor Reisen in die Region gewarnt.------------------------------Reisewarnung für den SüdostenDas Auswärtige Amt warnt vor Reisen in die Südost-Türkei. Von Reisen in die Südost-Provinzen der Türkei - insbesondere Hakkari, Sirnak, Mardin, Siirt, Van, Agri und Igdir - wird dringend abgeraten.Als Folge deutscher Maßnahmen gegen den PKK-nahen kurdischsprachigen Sender Roj-TV lägen Gefährdungshinweise vor. Es bestehe die Gefahr, dass Deutsche, vor allem Individualreisende, in diesen Provinzen Opfer von Racheaktionen wie Anschläge und Entführungen durch PKK-Terroristen werden könnten.------------------------------Karte : Entführung am Berg AraratHauptsiedlungsgebiete der Kurden------------------------------Foto : Der Rest der Bergsteigergruppe aus Bayern am Flughafen der türkischen Stadt Van, kurz vor dem Abflug nach Ankara.
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