Kolumne

Gelassen streiten: Was Uruguays Demokratie so stabil macht

In den USA liegt die Polarisierung der Politik in der Luft. Lohnender ist der Blick nach Uruguay: Dort trägt man Differenzen mit Vernunft und Gelassenheit aus.

Katja Hoyer
Katja Hoyer
7 Min
Nahbarer Volksvertreter: Urugays Präsident Yamandú Orsi

Nahbarer Volksvertreter: Urugays Präsident Yamandú Orsi

© Klebher Vasquez/imago

„Ging nie durch San Francisco in zerrissnen Jeans“, sang Udo Jürgens in seinem berühmten Schlager von 1982, in dem der Protagonist darüber fantasiert, seinem bürgerlich-spießigen Alltag in Deutschland zu entfliehen und das Abenteuer in Amerika zu suchen.

Die Zeile ging mir vor zwei Wochen durch den Kopf, als ich wegen einer Historiker-Konferenz auf Reisen war und tatsächlich in Jeans (wenn auch nicht in zerrissenen) durch San Francisco lief. Doch in den USA sucht man heute vergeblich nach jener Gelassenheit, nach der man sich im „neonhellen“ westdeutschen Treppenhaus gesehnt haben mag. Wer heute dem gesellschaftlichen Klima in Deutschland entfliehen möchte, dem sei ein weniger besungenes Land in Südamerika ans Herz gelegt.

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