Gelbe Welle in Melbourne

Doris Henkel
2 Min

Gäbe es Wimbledon und das eherne Gebot nicht, Tenniskleidung in überwiegend weißer Farbe zu tragen, dann hätte man vermutlich längst vergessen, wie dieser Sport mal ausgesehen hat. Bei den anderen Grand-Slam-Turnieren, also auch in Melbourne bei den Australian Open, ist erlaubt, was gefällt, und im Vergleich zu den vergangenen Jahren ist das Spektrum erheblich erweitert worden. Über alle Schattierungen der Farbe Blau, die der Schweizer Roger Federer so gern trägt, müssen wir uns an dieser Stelle nicht weiter unterhalten. Auch nicht mehr über die in den vergangenen Jahren reichlich vorgeführten Variationen von Rot oder das Batman-Schwarz von Novak Djokovic.Vernachlässigen wir auch den grünen Versuch von Jelena Jankovic und das edle Purpur von Ana Ivanovic. Die Farbe des Turniers ist Gelb. Neongelb, Sonnengelb, Dottergelb, Quietschgelb. Irgendwann musste Gelb einfach dran sein, und irgendwer hat sich sicher daran erinnert, dass der österreichische Pionier Stefan Koubek schon vor einigen Jahren in einer leuchtend gelben Hose aufgetreten war.Gibt es Absprachen?Aber es ist schon erstaunlich, dass die neue Farbe nicht nur von einer einzigen Firma angeboten wird. Wie ist es zu erklären, dass ein kleines, sehr privates Label wie EleVen von Venus Williams zur gleichen Zeit mit Gelb auftrumpft wie der Gigant Adidas? Gibt es womöglich Absprachen, nach dem Muster: Leute, was machen wir fürs nächste Turnier? Die Leute wollen mal ganz was Hippes, Neues! Falls das so wäre, hätte es nicht schaden können, auch die Bekleidung der Linienrichter in die Pläne einzubeziehen. Die trugen bei den Australian Open viele Jahre lang Blau, aber diesmal stecken sie nach einem Markenwechsel in frischem Mandarin. Was nun wiederum in Kombination mit dem Jankovic-Grün, dem Papstpurpur von Ivanovic und den versammelten Tönen der Farbe Gelb eine Mischung ergibt, bei der selbst ein Gauguin begeistert zum Pinsel gegriffen hätte.Dass man den gelben Tennisball vor diesem Hintergrund bisweilen kaum noch erkennen kann, ist natürlich ein kleines Problem. Die einfachste Lösung: Rückkehr zum Ursprung, zu weißen Bällen. Und dann macht vielleicht auch eines Tages Weiß als Farbe für Hemden, Hosen und Söckchen wieder von sich reden. Ja, schon gut. Das wird jetzt wirklich zu bunt.------------------------------Foto: Im Trend, aber aus dem Turnier: Philipp Kohlschreiber in Sonnengelb.------------------------------Foto: Individualistin: Die Serbin Ana Ivanovic trägt gerne Purpur.

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